Wir schreiben für die, die lesen

(Auszug)


Ein Vorwort: Zum Zeitpunkt der Drucklegung ...

... dieses Büchleins überschlagen sich die Ereignisse: Am 1. August 2000 geht die Frankfurter Allgemeine Zeitung überraschend wieder zur herkömmlichen, traditionellen Rechtschreibung zurück. Andere Zeitungsverlage ziehen nach. Wenig später entscheidet sich auch der Deutsche Hochschulverband zur Wiedereinführung der bisher regulären Schreibung. Wie ein „Schildbürgerstreich" mutet die Herausgabe eines von Professor Theodor Ickler völlig neu konzipierten Rechtschreibwörterbuches auf der Basis der seither altbewährten deutschen Rechtschreibung und Grammatik an. Im World Wide Web plazieren die großen Verlage plötzlich jede Menge Online-Umfragen, wohl um herauszubekommen, wie der geneigte und vielleicht im Zuge der Reform verlorengegangene Leser denn nun in Zukunft gern lesen möchte: In Neuschrieb oder in der herkömmlichen, traditionellen Schreibung. Die an den Umfragen teilnehmenden Befürworter der herkömmlichen Schreibung pegeln sich so bei 70...80% ein ...

Heute, 2008, ist auch die FAZ längst wieder zum hauseigenen Reformschrieb übergegangen, das "Volk" hat sich ans "ss" gewöhnt, es scheint alles im Lot. Aber ohne daß es viele wissen, klammheimlich, wurden inzwischen besonders krasse Neuschriebse wieder "offiziell" zurückgebaut: Wir habgen nun also eine Reform der Reform. So müssen heute die Kommas eigentlich wieder dort sitzen, wo sie hingehören, aber das Känguru ist noch immer schwanzlos und wird es wohl auch bleiben, so wie er ganze Schwachsinn an sich bleiben wird und auch das Chaos der Rechtschreibung im "Allgemeinen".

Phänomen und Neugierde

„Ich habe mich mein ganzes Leben lang mit dem Licht beschäftigt. Und ich denke, mit Rot und Weiß kann man kein Gelb bekommen - man bekommt nur Rosa ... Der Anstreicher hatte mir so viel Zeug erzählt, das vernünftig war, daß ich bereit war, bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit einzugestehen, daß es ein merkwürdiges Phänomen gab, das ich nicht kannte ... Die einzige Möglichkeit, Gelb zu bekommen, wird etwas Neues und Interessantes sein, und das muß ich sehen." [1]

Richard P. Feynman, Nobelpreisträger für Physik

"Nein, da haben Sie kein Glück. Sie werden in keiner Kinderbuchabteilung mehr Bücher finden, die nicht nach den neuen Regeln gedruckt sind", nimmt mir die Fachverkäuferin in einer Karlsruher Buchhandlung jede Freude an meiner Suche nach einem netten Kinderbuch. Traurig, diese Tatsache, wo ich doch so gern Bücher verschenke. Und ich hatte mir doch fest vorgenommen, die ganze Reform einfach zu sabotieren ...

Kind

Inzwischen haben die meisten Tageszeitungen auf den Neuschrieb umgestellt, wohl um den Anschein des Neuen zu erwecken, um „modern" zu wirken, und sei es nur durch das Schreiben eines ss anstelle des ß, des berühmtesten aller Doppelkonsonanten. Stolz will der Schreiberling damit verkünden: Seht, ich bin auf dem neuesten Stand, bin informiert, kenne mich aus, brauche kein ß, kein Komma, ... Da auch mir die eingangs zitierte Feynman’sche Neugierde angeboren ist, und da auch ich zu denen gehöre, die "merkwürdige Phänomene" nicht gleich als Unsinn beiseite stellen, habe ich mich auf die Suche nach dem "Neuen und Interessanten" der Rechtschreibreform begeben und versucht, die Ideen des umstürzlerischen Regelwerks nachzuvollziehen ...

Ich werde im folgenden beispielhaft zeigen, daß die sogenannte Rechtschreibreform das Schreiben nicht einfacher, sondern schwieriger und primitiv macht. Ich werde außerdem zeigen, wie wichtig so ein kleines Komma sein kann, und wie leichtfertig es wäre, hier im Interesse von gewünschten Fehlerquoten einen Liberalismus einführen und gesetzlich verankern zu wollen. Mein Ansatz ist:

Schiffahrt

Der Schreibende hat eine Verantwortung dem Lesenden gegenüber.

Schreiben und Lesen ist die Sache aller, und es ist schon grotesk, daß ausgerechnet jeder beherzte Laie das Werk von Schriftgelehrten so einfach auseinandernehmen kann. Wie nur ist es möglich, daß eine Kommission, die für unsere Schriftsprache verantwortlich gemacht werden soll, also ein Gremium, welches aus intelligenten und im Fach studierten Experten besteht, einen derart groben Unfug anrichten kann? Dieser Aufsatz beschränkt sich im wesentlichen auf die Inhalte der Reform. Nicht äußern werde ich mich zu den ökonomischen und rechtlichen Belangen, und ich will mich auch nicht länger darüber wundern, daß die Reform offenbar eine Sache der einzelnen Bundesländer ist, sowohl bezüglich des Inhalts als auch des Beginns der Einführung, und nicht eine Sache der deutschsprachigen Nationalitäten in der ganzen Welt ...

Wie es sein soll

Als grundlegende Quelle dient mir eine kommentierte Übersicht der Gesellschaft für deutsche Sprache [3] mit dem selbstbewußten und etwas vorgreifenden Titel „So schreibe ich richtig". Ziel sei es, so behaupten die Reformer, die Regeln einfacher und leichter durchschaubar zu machen. Schreibweisen sollten nach Möglichkeit ableitbar sein. Die Reformer sind, mit meinen Worten wiedergegeben, der Ansicht, daß unseren Schülern die schwierigen Regeln unserer Rechtschreibung nicht länger zumutbar seien, und daß es nicht sein könne, daß schlechte Noten im Fach Deutsch die spätere Karriere beeinträchtigten. Schließlich würden die Noten von Diktaten immer schlechter, und dies müsse verhindert werden.

Das Stammprinzip

"... soll jetzt noch mehr beachtet werden." [3] Die Schreibung von gleichen Wörtern mit dem gleichen Wortstamm solle möglichst einheitlich sein. Dabei solle weder Rücksicht auf die geschichtliche Herkunft noch auf die vermutete Sprachverwandtschaft zweier Wörter genommen werden. Ausschlaggebend sei, was man heute mit bestimmten Wörtern in Verbindung bringt:

Tolpatsch

soll jetzt mit "ll" geschrieben werden, weil man das Wörtchen toll im Hinterkopf habe. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dieses Tierchen jemals mit dem Adjektiv "toll" in Verbindung gebracht zu haben. Die heute Lernenden bekommen ja ein völlig falsches Bild von diesem Vogel! Aber er ist nicht "toll", sondern er hat einfach nur zwei breite Füße (ung.: tal-pas, breiter Fuß, talp, die Sohle) [5]. Somit machen wir dieses Tierchen zu einem tollen Patsch und könnten mit „Tollpatsch" einen ganz besonders fidelen Gesellen bezeichnen, oder? Und dürfen/müssen wir dann nicht konsequenterweise auch

Tolleranz" oder besser noch „Kackadu"

schreiben, wo hier doch ein jeder kacken assoziiert? Denn:

Woher sollen wir denn nun eigentlich wissen, welche Wörter in Zukunft plötzlich irgendwelchen Stammprinzipien gehorchen sollen und welche nicht?

Was ist nun einfacher: Sich die besonderen Schreibungen weniger komplizierter Wörter einzuprägen, oder nach einer fadenscheinigen Regel, die sowieso nicht funktioniert, die richtige Schreibung zu finden versuchen? Den

Damhirsch und das Chamäleon

beispielsweise haben die Reformerfinder vergessen zu reformieren. Ich denke da nämlich an Damm und an Kamel ... Ja, warum eigentlich nicht „Kammel", in Anlehnung an Kamm? Außerdem heißt es doch im Regelwerk [4] unter §2: „Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstaben". Bezüglich des Damhirsches weiß aber jeder gute Jäger, daß dieses Wild Damwild ist und damit in eine von den acht „Fallgruppen" (nicht Fallgruben!) gehört, bei denen man den Buchstaben für den einzelnen Konsonanten nicht verdoppelt, obwohl dieser einem betonten kurzen Vokal folgt [4], §4, also dürfen wir nicht „Dammhirsch" schreiben. Aber was machen wir nun mit unserer Stammprinzipregel? In eine von diesen acht Ausnahme-Fallgruppen gehört auch die Walnuss, die man ebenfalls nicht „Wallnuss" schreiben darf. Dieses Früchtchen ist nämlich „ein Wort mit unklarem Wortaufbau oder mit Bestandteilen, die nicht selbständig vorkommen" [4], §4. Nun kenne ich aber sowohl den selbständig vorkommenden Wal als auch die mindestens genauso selbständig vorkommende Nuß. Dann muß es wohl am „unklaren Wortaufbau" liegen, doch was ist das? Und beißt sich diese „Walnuss"-Ausnahme nicht wiederum mit dem „Tollpatsch"? Ich finde, daß der Tolpatsch einen ganz besonders „unklaren Wortaufbau" hat! ...

  • Wollen wir denn den Schüler in Zukunft regelrecht belügen?
  • Ist für einen lernwilligen und neugierigen Schüler dieser sprachliche Unsinn gerade mal gut genug?
  • Wie sollen die Lehrer mit diesem absurden Zwiespalt umgehen?

Was ist eigentlich mit dem Ochsen, der auf der Wiese läuft? „Wiesent"? Und darf ich in Anwendung der Stammprinzipregel, die ja alles vereinfachen soll, in Zukunft „einsätzen" (abgeleitet von Einsatz) schreiben? ...

Das letzte Zugeständnis

... an die Reform gebe ich bestenfalls den neuen und zunächst logisch anmutenden Schreibweisen wie beispielsweise

Rohheit oder Zähheit,

nicht jedoch dem „Zierrat", denn Zierat ist abgeleitet von Zier (ähnlich Heim und Heimat). Mit demselben „Recht" dürfte ich dann ja auch „Armmut" schreiben, oder?

„In Zukunft bleiben noch mehr die Buchstaben der einzelnen Wortbestandteile erhalten". [3] So lautet die neue Regel. Gut, aber: Warum „rau" statt rauh, jedoch weiterhin roh? Wäre die logische Konsequenz dann nicht auch „Ku", „Re", „Stro" oder „Schu"? Nein, welch Raubein, der so weit ginge!

Fremdwörter

... wären - in Grenzen gehalten - für unsere deutsche Sprache so belebend, wenn wir sie nicht verstümmeln dürften. Genau dies dürfen wir aber nach Inkrafttreten der neuen Schreibung, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen: „Fremdwörter, die zusammengesetzt ein Substantiv ergeben, werden zusammengeschrieben. Wenn das Wort allerdings unübersichtlich erscheint, kann ein Bindestrich gesetzt werden". [3]

Wer entscheidet darüber, ob das geschriebene Wort dem späteren Leser als "unübersichtlich erscheint"? Der Schüler oder der Lehrer? Oder gar das Bundesverfas-sungsgericht?

Und warum soll

Comeback

in Zukunft auch „Come-back" (kleines back!) geschrieben werden dürfen? Und wer sagt mir eigentlich, daß ich dieses Wörtchen als Nichtkenner der englischen Aussprache nicht auch „Kamm-beck" schreiben darf? Natürlich "-beck" und nicht "-bäck", denn es kommt wohl nicht von Bäcker! Wie wir sehen, besteht das Problem bei den Fremdwörtern nicht in der richtigen Setzung irgendwelcher Bindestriche oder der Einführung alternativer Zusammenschreibungen, sondern in der Suche nach der generellen Schreibweise, wenn der Schreibende die Herkunftssprache nicht beherrscht. Hier muß ich sowieso nachschlagen oder fragen ... Und wer verrät mir als Sprachneuling, wie ich

Dekolleté

schreiben muß, wenn ich es als „Dekoltee" vorgesagt bekomme? Verstehen die Reformerfinder unter solchem Quatsch etwa eine Vereinfachung der Schreibweise? Oh, ist das alles undurchdacht, halbherzig, traurig und inkonsequent! Ich will mit diesen einfachen Beispielen nur zeigen, daß es nicht damit getan ist, die Schreibweise von vielleicht 180 Fremdwörtern zu verändern, um das Schreiben zu vereinfachen. Es gibt sicher tausend solche schwierigen Wörter! Darf ich z. B. das nirgendwo "reformierte" Wörtchen

Skizze

in Zukunft ohne nachzuschlagen einfach „Skitze" schreiben? Oder „spatzieren"? Oder „Artickel" so wie Karnickel? Nun, das Wort Skizze gehört zu einer Ausnahme nach §3 des neuen Regelwerkes [4], so etwas weiß man doch!

Warum schreiben wir in Zukunft „Tipp", aber weiterhin Top? Ganz einfach, sagt mein neues Nachschlagewerk: Weil nämlich Top zu einer „Reihe einsilbiger Wörter" gehört, und die wiederum sind in einer der bereits weiter oben zitierten acht Ausnahme-Fallgruppen enthalten. Außerdem ist Top englisch. Für Tip trifft das offenbar alles nicht zu, darum müssen wir nach §2 der Neureglung in Zukunft „Tipp" schreiben. Das ist tipp-top in Ordnung! Nur: Weltweit schreibt man Tip und auch Stop, und niemand nimmt daran Anstoß! Warum also wollen wir in Zukunft den Tip (Rat) mit dem Tippfehler auf eine Stufe stellen?

Wie unterscheiden wir zukünftig den Tipfehler von einem Tippfehler?

Und wenn wir in Zukunft „Tipp" schreiben sollen, warum sollen wir dann nicht auch „Buss" schreiben? Oder „fitt"? „Hitt"? Schließlich schreiben wir ja auch „Bass" (Baß).

Ich halte alle mir bekannten Änderungsvorschläge zur Schreibung fremdländischer Wörter für völlig nutzlos, da diese weder transparent und logisch sind und keine Vereinfachung der Schreibung darstellen. Hier muß man einfach mal richtig auswendig lernen! Und während wir uns hier mit solchen traurigen Kuriositäten befassen, wuchern in der Zwischenzeit - und das völlig frei und ohne parlamentarische oder richterliche Grundlage - die Konjugationen und Partizipien von Anglizismen ins Abartige, ohne daß wir's überhaupt noch wahrnehmen:

  • Wir haben das abgecheckt. (getscheckt? gechecked?)
  • Das Vorhaben wurde gecancelt. (gekänzelt? gekanzelt? gecancled?)
  • Wie wird das gehändelt? (gehendelt?)
  • Das war gut getimed. (geteimt?)
  • Er hat sich als Experte für Rechtschreibung geouted. (geautet? geoutet?)
  • Beim Faden braucht man viel Gefühl. (Feyden? Feden?); to fade (engl.) ist das Ein- und Ausblenden von Musik oder Bildern. ...

Hier wird in übelster Weise eingedeutscht, und keiner kann sagen, was richtig und was falsch ist. Warum benutzen wir immer weniger den Wortschatz unserer eigenen Sprache? Versuchen wir das doch einfach mal:

  • Wir haben das geprüft.
  • Das Vorhaben wurde abgebrochen ...

Im Duden [4] finden wir das Wort

Buy-out".

Was bedeutet das Wort? Schauen wir uns mal die Erläuterung an. Wir finden: „... kurz für Management Buyout". Nun wissen wir also um dessen Bedeutung, alles klar! Übrigens ist das Wort sächlich: Das „Buy-out". Also ist wohl auch das Out sächlich. Oder? Put dagegen dürfte männlich sein: Der Out-put. Aber nur, wenn man es als der Ausgang erkennt und interpretiert. Stellt sich nun die Frage: Schreiben wir ab jetzt Out-Put mit Bindestrich? Schauen wir in den Duden. Aber wonach suchen wir als Unkundiger des Englischen? Unter Aut? Nein, sagt ein uns Aufklärender, und wir finden mit dessen Hilfe irgendwann tatsächlich das Wort Output. Aber: Es wird zusammengeschriebenen und ist sowohl männlich als auch sächlich! Aber warum...? ...

Output ist im Duden nicht erklärt. Heute weiß offenbar jeder Deutsche, was das ist. Die Peepshow schreibt man auch zusammen. Die aber ist glücklicherweise erklärt! Vielleicht wird sich irgendwann Piep-Show etablieren. Manchmal wird es aber tatsächlich ein wenig schwierig: Das Wort Payingguest (ohhh, nirgendwo ein Bindestrich!) läßt sich offenbar nur mit der langen Erklärung „jmd., der bei einer Familie als Gast wohnt, aber für Unterkunft u. Verpflegung bezahlt" (Duden) ausdrücken. Hoffentlich weiß jeder, wie man das ausspricht. Stellt sich die generelle Frage: Wie haben wir eigentlich früher, als es Sie und mich noch nicht gab, als noch keine Anglizismen Mode waren, miteinander kommuniziert?

Mit der Zeit wird es sich herumsprechen, was sich hinter der Aufschrift „McClean" verbirgt: Wir finden dort das Bahnhofsklo und eine noble Waschgelegenheit. Natürlich braucht jeder wichtige Bahnhof einen Service Point (Zugauskunft), Ticket Counters (Fahrkartenschalter) und db-Lounges (Wartesäle) [6]. db ist deutsch: Deutsche Bahn. In [6] kann man auch nachlesen, was ein stand-by upgrade-Voucher ist: Mit diesem Ding, welches man auf Flughäfen findet, kann das Ticket beim Check-In aufgewertet werden. Gut. Aber was ist ein Twin Charger? Selbst wenn man irgendwann entdeckt, daß dies ein ganz normales Batterieladegerät für zwei unterschiedliche Batterietypen ist, stellt sich die Frage: Wie muß man das aussprechen? ...

Der Buchstabe "ß" und andere Doppelkonsonanten

...wird zum ss, wenn der Vokal davor kurz gesprochen wird, oder etwas genauer formuliert, es soll "ss" geschrieben werden, wenn einem kurzen Vokal innerhalb eines Wortstammes ein einsames s folgt, also z. B.:

  • „dass, Fass, viele Massen, ..." aber:
  • über alle Maßen, ich saß, ...

Das klingt zunächst einleuchtend und logisch. Damit könnte ich in größter Not leben, und das ist wohl auch einer der wenigen Punkte der Reform, die ich vom Grundsatz her akzeptieren könnte, wenn ich dringend müßte. Nur: Erstens funktioniert diese Regel nicht, und zweitens wird das Schreiben dadurch nicht einfacher. Schreiben wir nach obiger Regel in Zukunft „Er mist die Temperatur", weil dem i zwei Konsonanten folgen? Im Umkehrschluß dürfte ich dann auch

Missthaufen"

Kakadu

schreiben, oder? Immerhin führt das Regelwerk das Wort „bisschen" als Beispiel für diese Regel an. Ist "c" kein Konsonant? Doch, schon, nur muß man die Regel natürlich genauer lesen, und dabei wird man feststellen, daß sich diese nur auf den Wortstamm bezieht. Und der Wortstamm von Mist ist nun mal Mist. Demzufolge schreibt man den Misthaufen eben doch nur mit einem "s". Nur: Der Wortstamm von „bisschen" ist offenbar bis. Alles klar? Und außerdem gibt es ja noch das Wörtchen misst (von messen), darf ich nun also doch „Missthaufen" schreiben? Und woher soll ich denn als Schreibschwacher wissen, daß im Misthaufen gar kein "ß" drin ist bzw. war? Der Schreibschwache muß so wie bisher krampfhaft darüber nachdenken, ob er Last oder Lasst schreiben muß, denn es gibt beide Wörter! Wie wir sehen, versagt diese künstliche Regel bereits in einfachsten Fällen.

Es dürfte ungezählte Wörter geben, in denen einem kurzen Vokal ein einfaches "s" folgt. Schließlich werden wir ja irgendwann einmal nicht mehr wissen, wo vorher ein "ß" stand. Hier das wohl berühmteste Beispiel:

das bzw. „dass" (!)

Noch Fragen? Im übrigen ist mit dem Ersatz des "ß" durch "ss" noch lange nicht das so berühmte Problem der Konjunktion aus der Welt:

„Ich habe gehört, daß es regnet."

Uhrenradio

Die Rechtschreibschwachen kommen hier bekanntlich ins Grübeln und schreiben nicht selten das daß fälschlicherweise mit einfachem "s". Diese Rechtschreibbanausen würden aber ihr Problem nach der Reform immer noch haben und nun statt "ss" höchstwahrscheinlich "s" schreiben! Was hätten wir also an dieser Stelle gewonnen? Ein "ß" konnte man sich als Kind viel leichter einprägen. „Beweis" gefällig? In der nebenstehenden Abbildung preist ein führender deutscher Elektronikversand, der bereits recht früh und mit stolzer Ankündigung auf Neuschrieb umgestellt hatte, einen CD-Player an. Drei Fehler, Note fünf (das; jedem; ... einfach, und ...)! · Die Entscheidung, ob wir eine Konjunktion oder einen bestimmten Artikel kenntlich machen müssen, nimmt uns keiner ab, schon gar nicht der Austausch von Buchstaben.

Woher soll ein Schreibschwacher, unabhängig davon, ob wir das "ß" zulassen oder nicht, wissen, ob er Kenntnis oder „Kenntniss" schreiben muß? „Kompromis" oder „Kompromiss"? Er muß nachschlagen, und wenn er dies tut, wird er in [4], §5, zumindest für das Wort Ergebnis fündig und lernt eine von vier weiteren Ausnahmefallgruppen kennen.

  • Wo zu viele Ausnahmen und „Fallgruppen" gelten, machen Regeln keinen Sinn.
  • Und wo auf natürliche Weise keine sinnvollen Regeln existieren, brauchen wir auch keine zu erfinden.
  • Die Kenntnis einer Regel verpflichtet nicht zur Suche nach Ausnahmen.

Da muß man lernen. Angenommen, ein schreibschwacher Schreiberling merkt sich mühevoll die Regel §2. Woher soll er wissen, daß er Ausnahmen zu beachten hat? Nichts wird einfacher!

Einige Reformer halten den Buchstaben ß generell für überflüssig und berufen sich nicht selten darauf, daß die Schweizer Eidgenossen diesen Laut seit geraumer Zeit nicht mehr benut-zen. Aber die Schweizer haben sich mit dieser Maßnahme keinen vorteilhaften Dienst erwiesen. Immerhin ist das Schweizerische dem Deutschen sehr nahe, und die Rechtschreibprobleme dürften ähnlich sein. Häufig muß zum korrekten Verständnis der Kontext bemüht werden. Aber warum nur, um alles in der Schrift, will man diesen Umweg über den Satzzusammenhang, wenn es mit einem eigens geschaffenen Buchstaben viel einfacher geht? Und selbst der Kontext hilft uns nicht immer aus der Patsche, wie das Beispiel zeigt:

  • 1. Die Kamine der Russen russen ... (wie sprechen wir das?)
  • 2. Ich habe mich gestossen

Wie unterscheiden die Schweizer eigentlich zwischen den völlig unterschiedlichen Bedeutungen von Muse und Muße?. Der konsequente Wegfall des ß würde nichts vereinfachen. Für den Rechtschreibmuffel bliebe dann ja immer noch die komplizierte Frage: "s" oder "ss"?

Zum Abschluß dieses Abschnittes darf ich zwei Fundstellen aus dem (leider weitgehend anonymen) Internet zitieren. Dierk Unterbrink aus Tübingen [7] verteidigt das "ß" mit einem so wichtigen Hinweis auf die Ästhetik der deutschen Sprache: "Und dann gibt es das ß, das mit seiner wohlgerundeten Form im Text regelmäßig Akzente setzt. Soll denn das, was die deutsche Sprache schön und lesenswert macht, verschwinden? Soll nun ein vulgäres Doppel-s an die Stelle des kunstvoll geschwungenen ß treten? Sollen Texte und Bücher nun beim Lesen Assoziationen an Analphabetentum und Babytalk wecken...?"

Alex Ungermann aus Erlangen [7] diskutiert wie folgt: "Das ß ist eine Ligatur (Verschmelzung zweier Buchstaben) und hat nichts mit Vokallängen zu tun. Man hat immer schon "ss" schreiben können, wenn man die Ligatur nicht auf der Schreibmaschine hatte oder in der Schweiz lebte. Ligaturen sind optische Hilfen, die das Lesen erleichtern. Ein Schluß-strich ist nun mal optisch leichter in seine Bestandteile zu zerlegen als ein „Schlussstrich".

Lesen Sie doch mal das Wort „Misstrauen": „Mis-Strauen"? Oder: „Messingenieur": „Messing-Ingenieur"? Roland Morlock aus Stuttgart zählt das "ß" zu den modernsten Entwicklungen unserer Sprachgeschichte. Weiter führt er aus: „Das ß im Auslaut von Worten und Silben ist eine der wichtigsten Lesehilfen überhaupt und ein starkes Signal dafür, ob das Schärfungs-s noch zur vorigen Silbe gehört oder nicht. Es ist aus diesem Standpunkt gesehen geradezu wie ein Bindebogen in der Musik. Warum dieses deutliche Signal aufgeben, wenn die Alternative schlechter ist ...?" [7] Beispiel:

Schlossinnenhof"

Was sind „Schlossinnen"? Vielleicht sind das die Schloßdamen. Geben mir die Reformer wenigstens hierin recht, daß sich Schloßinnenhof besser liest? Wohl eher nicht, denn jetzt spielen sie bestimmt ihren besten Trumpf aus, den Bindestrich:

Schloss-Innenhof".

Schön, aber dann kontere ich mit

Schlossinnen-Hof!

Das neue Regelwerk macht den Bindestrich zu einem der wichtigsten Satzzeichen: Jedes Wort, in welchem drei gleiche Konsonanten aufeinanderfolgen, kann der besseren Lesbarkeit halber mit einem Bindestrich geschrieben werden, so sagt’s die neue Regelung, selbst so kurze Wörter wie z. B. „Schloss-Spuk" oder „Schloss-Stube".

Bevor wir dieses traurige Kapitel verlassen, will ich noch einen Aspekt einbringen, der in der Diskussion um das "ß" bisher wenig Beachtung fand. Das "ß" ist im allgemeinen, insbesondere aber im Bereich der modernen Textverarbeitung (Computertechnik) ein Schutz gegen sinnentstellende Trennungen. Hier ein Beispiel:

Messer - gebnis"

Ich hab’s ausprobiert, mein Textverarbeitungsprogramm trennt tatsächlich so. So etwas liest sich doch nicht! Wenn man am Zeilenende ein Mes- sieht, meint man, die Silbe könnte sich zum Messer entwickeln, ähnlich dem Wort Messerleiste. Würden wir dagegen weiterhin das "ß" erlauben, könnten sowohl der Mensch als auch der Computer wirklich nur Meß-ergebnis trennen, und alles wäre viel einfacher.

Die Erfindung des "ß" war genial! Das wußte sogar schon der Herr Geheimrat Goethe. Übrigens schreibt sich das "ß" viel einfacher und flüssiger als ein "ss", und in Schreibschrift beherbergt es ja auch zwei s-Laute in sich. Legen Sie es einfach mal quer!

Die Interpunktion

Die alte Regel sagt frei formuliert: Zwei Hauptsätze werden immer durch ein Komma getrennt, wenn zwischen beiden auch ein Punkt stehen könnte. Die neue, ersetzende Regel sagt:

"Nach der neuen Regelung wird prinzipiell kein Komma mehr gesetzt, wenn zwei Hauptsätze durch und, oder beziehungsweise/bzw., sowie (=und), wie (auch) oder weder ... noch miteinander verbunden sind, weil diese Konjunktionen das Komma ersetzen (wie in Aufzählungen). Zur besseren Gliederung kann man jedoch ein Komma zwischen die Sätze setzen - besonders wenn sonst die Verständlichkeit leidet." [3]

Der Leser möge selbst prüfen, welche Regel ihm einfacher erscheint. Aber unabhängig davon, ob es nun einfacher ist, einen Hauptsatz zu erkennen oder diese komplizierte Bedingungs- und Ausnahmeregel zu pauken, werde ich an wenigen Beispielen zeigen, wie unüberlegt deren Erfinder hier gewerkelt haben und wie wenig "eine Konjunktion ein Komma ersetzen" kann. Es gehören schon ausgesprochen viel Mut, Unverfrorenheit oder eine absolute Nullbildung dazu, die Aneinanderfolge von Hauptsätzen einer Aufzählung gleichzusetzen!

Tja, und dann wieder diese Selbstaufhebung der Regel für den Fall, daß eventuell und vielleicht aber nun doch leider die Verständlichkeit leiden könnte:

"Bei gleichrangigen Sätzen, die durch und, oder, usw. verbunden sind, kann man ein Komma setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen." [3]

Was soll dieser Unfug?! "Wenn ein lehrbares Kriterium fehlt, herrscht Beliebigkeit" [2]. Es wird die Sprachkompetenz des Schreibenden vorausgesetzt. So einfach geht das! Lesen wir mal ganz unbedarft die folgenden Sätze:

  • „Diese Entscheidung nimmt uns keiner ab und zu den anderen Punkten sollten wir auch noch was sagen."
  • „Er schimpfte auf die Regierung und sein Publikum, das ganz seiner Meinung war, klatschte begeistert." [8]
  • „Sie schlachteten eine Gans und den kleinen Sohn des Nachbarn luden sie zum Essen ein." [9]

Meinen Sie nicht, daß der Leser "ab und zu" doch gerne mal ein Komma sehen möchte? Wir schreiben doch für die, die lesen! Das Komma ist eine so überaus geniale Erfindung, warum soll es nun gerade bei größter Notwendigkeit nicht mehr gesetzt werden müssen? Es ist doch so einfach, mit diesem kleinen Krakel Irritationen oder Lesehemmungen von vornherein auszuschließen! Hier gleich noch so ein Beispiel, welches in [3] sogar ausdrücklich als Erläuterung dieser neuen Komma-regel angeführt wird und sich so wunderherrlich in den eigenen Hintern beißt:

„Wir warten auf Euch und die Kinder gehen schon voraus."

Merkt denn hier keiner der Reformspezialisten, daß der Leser mit diesem Satz ein Problem haben kann? Wenn hinter Euch kein Komma steht, erwartet der Leser im voraus hinter Kinder einen Punkt und liest den Satz bindend, statt nach Euch eine Pause zu machen. Vor gehen wird er dann ein wenig stutzen und plötzlich die wahre Aussage des Satzes erkennen.

Nun sollen aber nicht nur beieinanderstehende Hauptsätze vom lästigen Komma befreit werden, sondern es trifft auch den sogenannten erweiterten Infinitiv mit zu. Und wen die nachfolgenden drei Beispiele dann noch immer nicht aus seinem Dummenschlaf wachrütteln, dem kann ich auch nicht mehr helfen:

„Der Vater empfahl dem Lehrer nicht zu widersprechen." ...

Was, zum Teufel, ist hier gemeint??? Das, was dasteht, oder fehlt hier ein Komma? Die „Deformer" setzen hier ausgerechnet zwei der überhaupt wichtigsten Kommaregeln außer Kraft! Ich bin nicht bereit, Schwachsinn zu lernen, und ich bin schon gar nicht bereit, Schwachsinn zu lehren! Ich will an dieser Stelle noch einmal aus [2] zitieren, denn ich kann die nachfolgende Essenz nicht besser darstellen: "Der Haupteffekt scheint also zu sein, daß in der Schule gewisse Arten von Kommafehlern keine mehr sein sollen. Das hätte man billiger haben können." ... "Wenn nun ... die Kommas aus unerfindlichen Gründen einmal stehen, ein andermal fehlen, kann sich beim Lernenden keine Sicherheit einstellen. Es ist auch nicht zu erwarten, daß diese Unsicherheit als 'Gewinn an Freiheit' erfahren wird." ... "Bei der Kommasetzung ist noch besonders zu beklagen, daß die Zahl der darauf bezüglichen Regeln sich nur scheinbar verringert hat, da sich unter den wenigen Paragraphen in Wirklichkeit eine Unmenge als 'Erläuterung' getarnte Sonderregeln verbergen".

Ich stelle mir gerade vor, wie mir ein kleiner dudengestärkter Naseweis entgegnet: „Ich schreibe das ohne Komma, das steht so im Duden, weil das kann man so machen. Außerdem verstehe ich den Satz gut. Wenn Sie den Satz nicht verstehen, ist das Ihr Problem". Quo vadis, meine Welt?

Die Auseinanderschreibung

„Verbindungen aus zwei Verben werden immer getrennt geschrieben." [3]

Wenn es also morgen die zusammengesetzten Verben nicht mehr geben soll, schreiben wir statt

kennenlernen

nun „kennen lernen" und stutzen beim Lesen nach dem Wörtchen kennen: Er sagte, wir würden uns „kennen lernen". Hinter kennen könnte locker ein Punkt stehen, man stutzt beim Lesen. Nach [4], §34 (3) werden Adjektiv und Verb getrenntgeschrieben, wenn sich das Adjektiv erweitern oder steigern läßt, „wenigstens durch sehr oder ganz". Ein Beispiel gefällig?

  • Version 1: „Wir müssen uns kurz fassen."
  • Version 2: „Wir müssen uns kurzfassen."

Letztere Schreibweise soll es morgen nicht mehr geben. Beide Sätze haben aber unterschiedliche Bedeutung. Die Version 1 kann man deuten mit "Wir müssen kurz mal unsere Gedanken sammeln", die Version 2 mit dem "sich beeilen müssen". Beide Versionen werden auch völlig anders gesprochen: In Version 1 liegt die Betonung auf fassen, und in Version 2 auf kurz. Warum also diese Neuerung? Oder noch ein Beispiel? Bitte:

„Er ist schwer beschädigt."

Wer nun: Der Wagen oder der Mann? "Zeigen Sie mir bitte mal Ihren schwer beschädigten Ausweis!" Oh, es ist doch so einfach, dieses ganze Unregelwerk zu entzaubern! Hier gleich noch ein paar Konstrukte:

  • Version 1: „Er hat das Essen sehr mies gemacht."
  • Version 2: „Er hat das Essen sehr miesgemacht."

oder:

  • Version 1: „Das frisch gebackene Ehepaar ..."
  • Version 2: „Das frischgebackene Ehepaar ..."

Mahlzeit! Die neue Regelung läßt nun die jeweilige Variante 2 nicht mehr zu, was zu völlig unnötigen Zweideutigkeiten führt. Gleichzeitig werden die Wörter miesmachen, leichtfallen und frischgebacken regelrecht vernichtet. Es gibt zahllose andere Beispiele dieser Art. Allein über 100 Wörter, die mit dem Buchstaben "A" beginnen, existieren im neuen Duden nicht mehr. Die hier geforderte Getrenntschreibung ist ein "... unerhörter Angriff auf Sinn und Verstand des Lesers, ..." [2].

Woher soll der Leser wissen, ob der Schreiber nach den neuen oder nach den alten Regeln schreibt?

  • „Ich werde das Buch gut schreiben und den Betrag umbuchen."
  • „Wir wollen fest stellen, was los ist."

Ist das so nach Neuschrieb korrekt? Nein! Obwohl ich mich so gern nach der ... Steigerungsregel §34 (3) richten würde: Hier klappt es nicht. Auch wenn wir gut mit ganz gut und fest mit fester steigern können, finden wir doch im Duden tatsächlich noch die altbekannten Wörter gutschreiben und feststellen, was ja auch vernünftig ist. Nur muß man das eben wissen. Was nützt also obige Regel? Nichts!

Zu den vielen Ausnahmen von den Auseinanderschreiberegeln erläutert die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. nur lakonisch: "Die Rechtschreibreform hat diesen Bereich neu geregelt. Tendenziell kann man sagen, daß insgesamt mehr getrennt geschrieben wird als bisher, um die einzelnen Teile des Textes deutlicher kenntlich zu machen. Das führt dazu, daß ein Text leichter zu lesen ist." [3]

Bei mir "führt das dazu", daß meine Sachlichkeitsgrenze überschritten zu werden droht, und ich muß mich beim Schreiben dieser Zeilen arg „zusammen reißen". Wieder falsch! Nach neuem Duden schreibt man wie bisher zusammenreißen. Man schreibt außerdem

  • „auseinander reißen", jedoch zusammenreißen,
  • „auseinander setzen", jedoch zusammensetzen,
  • „auseinander halten", jedoch zusammenhalten ...,

und das kann man sich ja auch ganz leicht merken ... Es gibt überraschend viele solch kuriose Kombinationen, und ich verweise an dieser Stelle mit großer Freude auf die im Anhang empfohlene Wörterliste von Stephanus Peil [11] .... Aber der Hammer kommt jetzt! Ich zitiere die Erläuterung E4 des so überaus aufgeblasenen §34 aus [4]:

"Lässt sich in einzelnen Fällen der Gruppe aus Adjektiv + Verb ... keine klare Entscheidung für Getrennt- oder Zusammenschreibung treffen, so bleibt es dem Schreibenden überlassen, ob er sie als Wortgruppe oder als Zusammensetzung verstanden wissen will."

Katze

Das hätte man wahrlich billiger haben können! Der ganze §34 ist für die Katze, und das gehört sich auch so! Die Regelerfinder überlassen die Deutung wieder mal allein dem Schreibenden, und der Leser kann zusehen, wie er mit der „klaren Entscheidung" des Schreibers klarkommt. Probieren wir das mal aus: Ich entscheide, daß ich klarkommt als „Zusammensetzung" sehe. Der Schreibschwache dagegen schaut in den Duden, findet „klar kommt" (ähnlich „klar werden") und entscheidet, daß er dies als eine „Wortgruppe" versteht. Und nun? Klar komme ich!

Doch ich darf mich trösten: In [2] wird anschaulich gezeigt und belegt, daß die heutigen Ausgaben der einschlägigen Wörterbücher unterschiedlicher Verlage unverantwortlich krasse Unterschiede aufweisen und damit das Chaos und die bestehende Verunsicherung noch forcieren. Schade um's Geld: Duden, Berthelsmann, Eduscho, ALDI, ... das alles kann man sich heute sparen, da nutzlos.

Was bewirken „Krebs erregende" Stoffe? Was ist ein „sicher wirkendes" Mittel? Erregen die Stoffe den Krebs, oder sind die Stoffe krebserregend, d. h. schädlich für uns? Wirkt das Mittel nur höchstwahrscheinlich (sicherlich) oder ist es ein sicherwirkendes Mittel, d. h. wirkt es ganz sicher? Meine Damen und Herren Reformer, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß unsere Schriftsprache beide Schreibweisen braucht, die getrennte und die nichtgetrennte! Mit der Herausnahme zusammengesetzter Wörter schränken Sie unseren Wortschatz und damit die Möglichkeiten des Transformationsmittels Schriftsprache derart ein, daß wir nicht mehr vernünftig schriftlich kommunizieren können! Ich zitiere aus dem neuen Duden [4]:

Eine „weit gereiste Forscherin".

Nach klassischer Schreibweise wäre die Bedeutung klar: Es handelt sich um eine Forscherin, die eine weite Strecke zurückgelegt hat, die wegen uns weit gereist ist. Nach Neuschrieb hätten wir ein Problem: Könnte es sich da nicht auch um eine weitgereiste, also überall in der Welt herumgekommene Forscherin handeln? Das Wort weitgereist gibt es ja nicht mehr! Wenn ich den Duden unter dem Buchstaben w jetzt nicht schließe, werde ich irre. Nur leider sieht es anderswo im Nachschlagewerk nicht viel anders aus, so vieles ist rot markiert ...

„Wie schreibt man zusammenschreiben, zusammen oder auseinander?" fragte ich neulich einen Kollegen. „Ich würde sagen: zusammen." meinte er. „Nein, stimmt nicht." erwiderte ich. „Dann eben wohl doch auseinander?" „Auch nicht richtig." und er schlug vor: „Schauen wir in den Duden!" Und wir schauten in ein nichtreformiertes Exemplar von 1990 [12]. Wie erwartet, fanden wir beide Varianten, und wir fragten uns nun, welche wir annehmen sollten:

  • zusammenschreiben im Sinne von „irgend ein Zeugs zusammenschreiben"
  • zusammenschreiben im Sinne von „nicht auseinander"
  • zusammen schreiben im Sinne von „gemeinsam schreiben"

An dieser Stelle wird es richtig schwierig. Die fakultative Zusammenschreibung ist ein Kapitel, bei dem uns ein Nachschlagewerk nur bedingt helfen kann. Wie wir gesehen haben, ergibt sich die korrekte Schreibung, d. h. eine für den Leser verständliche Schreibung, hier erst aus dem inhaltlichen Zusammenhang oder aus dem gewünschten Satzkern:

  • „Wir wollen den Text zusammenschreiben."
  • „Wir wollen den Text zusammen schreiben."

Die Frage, ob wir einen Begriff zusammen- oder auseinander schreiben müssen, dürfen wir nicht stellen, ohne zusätzlich zu fragen: „In welchem Zusammenhang steht der Begriff?" Die Antwort gibt uns ein Nachschlagewerk nur insofern, als daß es uns beim Nachschlagen selbst nach dem Zusammenhang fragt und uns dann in der Regel mehrere Vorschläge in die Hand gibt. Was wir dann als korrekt empfinden, müssen wir jedoch ganz alleine entscheiden. ICKLER löst das in [13] auf galante Weise: Die fakultativen Zusammenschreibungen kennzeichnet er in seinem neuen Nachschlagewerk mit einem Unterbogen, wobei er beide Varianten kurz erläutert. Die Rechtschreibreform versucht nun eine Reglementierung der Schreibung von Begriffen, die fakultativ zusammengeschrieben werden können, in Richtung Auseinanderschreibung. Das funktioniert aber nicht, wie wir bereits weiter oben gelernt haben, weil beide Schreibungen ihre Berechtigung und ihren Sinn haben!

Mit der Zwangsauseinanderschreibung von zusammengesetzen Wörtern verschwinden diese Wörter aber nicht nur aus dem Transformationsmittel Schriftsprache und fehlen im Duden, sondern diese Wörter gibt es dann auch nicht mehr in der artikulierten Sprache, zumindest nicht, wenn man einen gelesenen Text spricht. Und das kann ja wohl nicht sein! Offenbar doch, denn:

Der Kuriositäten ist kein Ende

"Hoch stehende" Persönlichkeiten geben uns weitere beispielhafte Absurditäten auf den Weg:

  • „hoch begabt", aber: hochbetagt
  • „hoch geachtet", aber: hochberühmt
  • „gleich lautend", aber: gleichnamig
  • „Musik liebend", aber: tierliebend
  • „Unheil bringend", aber: heilbringend
  • „Platz sparend", aber: zeitsparend
  • „Eis laufend", aber: seiltanzend
  • „getrennt leben", aber: zusammenscheißen
  • „schwarz malen", aber: schwarzsehen (!)

Offenbar sollen wir auch in Neuschrieb unterscheiden können sollen, ob mir mein Chef die Meinung sagen oder mit mir gemeinsam aufs Klo gehen will. Im Beispiel schwarz malen / schwarzsehen sind beide Wörter sogar annähernd gleichbedeutend: etwas pessimistisch darstellen bzw. pessimistisch sein! Oh, wie geistreich!

Nach welchen geistreichen neuen Regeln soll der Schreibende hier die korrekte Schreibweise finden?

Aber die Reformer setzen noch eins drauf:

  • jemanden „zufrieden stellen", aber:
  • jemanden zufriedenerstellen (!)

Was ist hier passiert? Keine Ahnung! So steht es im neuen Duden [4]. Das Wort zufriedenstellen wurde eliminiert, nur in der Steigerungsform existiert es noch: Ein Wort, welches es nicht gibt, kann gesteigert werden, welch schelmische Idee! Und wer den Duden kauft, ist ein „zufrieden gestellter" Kunde! Was ist ein „zufrieden gestellter" Kunde? ...

„Zu Weihnachten wollen wir heimlichtun,
sonst müssen wir’s nämlich heimlich tun."

Dieser Reim ist in einer meiner Sternstunden entstanden und wäre in Neuschrieb gar nicht mit dieser hohen poetischen Qualität notierbar: Das Wort heimlichtun, so wichtig vor allem für Kinder, wurde abgeschafft. Ja, für Dichter und Schriftsteller brechen schwere Zeiten an. Schreiben sie in „Neu", haben sie ein grundsätzliches Problem, schreiben sie in „Klassisch", werden sie von den Kindern als altmodisch eingestuft oder gar ausgelacht. Eltern sollten ihre Bibliotheken verschließen, sonst entdecken ihre Kinder womöglich eine bessere Schreibweise als die, die sie in der Schule lernen! Ich finde das alles „belämmert". Oh, Du armes Jungschaf, für welchen Unfug mußt Du heute herhalten! Das „Blässhuhn" wird zum blassen Huhn ...

Schreiben wir eigentlich behemmert oder behämmert? Neben eines Besseren ist nun auch eines „Bessren" zugelassen. Wem nutzt das? Vielleicht nutzt das der allein stehenden Frau. Stützt sie jemand? Nein, aber sie ist allgemein gebildet ... und hat ihre Beine übereinander geschlagen. Aua! Wir wollen es ihr nicht übel nehmen. Sie hat eine tief schürfende Wunde. Die Wunde wird also noch drei Tage lang ordentlich tief schürfen. Und danach hat die Frau dann eine tiefstschürfende Wunde. Sie ist heute sowieso schlecht gelaunt, aber nicht unbedingt missgelaunt. Sie hat nämlich eine vorwärts weisende Entdeckung gemacht, die allerdings nicht zukunftsweisend ist. Experten schätzen die hoch gewachsene Dame als weit schauend. Sie hat offensichtlich gute Augen und ist weitsichtig. Somit kann sie gut Rad fahren und bergsteigen. Sie beherrscht die hohe Schule des Kletterns. Ihre Tochter spielt Klavier, aber die wird bald flöten gehen. Sie hat nämlich ihre alten Lieder wieder entdeckt ...

Die Rechtschreibreform ist einzig dafür gut, um ein wenig Spaß zu haben. Ich verzichte jetzt bei den folgenden Neuschriebkuriositäten einfach mal auf die Kursivdarstellung:

  • „Oh, Geliebte, wollen wir doch unser Hühnchen gar kochen und braten!"
  • „Geliebter, komm, laß uns voll fressen."
  • „Ja, laß uns voll hauen!" ...
  • „Wir müssen versuchen, gleich dahinter zu kommen und wollen das Ergebnis sehr ernst nehmen" ...

Da hätte man lieber alles beim Alten (bei wem?) lassen sollen (Verzeihung, ich hätte den Alten „kursiv" schreiben sollen).

Der Einfluß auf die Sprechweise

Guten Abend

... ist unüberhörbar. Die neuen Regeln verursachen vielerseits nicht nur eine Sinnentstellung des zu übermittelnden Inhaltes einer Nachricht, sondern gleichzeitig eine Unsicherheit beim Lesen und folgerichtig auch beim Sprechen, d. h. beim lauten Lesen ... Diese Eingriffe in die Lese- und Sprechweise sind die scheußlichsten, die die Reform überhaupt verursacht. Nehmen wir das Beispiel von oben:

„Sie ist allgemein gebildet, hilfsbereit und nett."

Wir lesen mit der Betonung auf beiden Wörtern. Die Wörter allgemein und gebildet haben gleiches Gewicht und unabhängig voneinander jedes seine eigene Bedeutung. Hieße der Satz

„Sie ist allgemeingebildet, hilfsbereit und nett.",

läge die Betonung auf dem Wortteil allgemein. Beide Sätze haben selbstverständlich unterschiedliche Bedeutung. Oder auch nicht? Wenn wir sichergehen könnten, daß der Schreiber den obigen Satz nach den bisher gebräuchlichen Regeln schrieb, wäre die Aussage klar: Die Dame ist im allgemeinen recht gut gebildet und zudem noch hilfsbereit und nett. Denn nach den bisherigen Regeln gäbe es ja außerdem noch das Wort allgemeinbildend im Sinne von Allgemeinbildung, aber das hat der Schreiber nicht verwendet und somit auch nicht gemeint. Wenn wir jedoch wissen, daß uns der Schreiberling mit Neuschrieb volltextet, dann können wir genaugenommen mit diesem Satz nichts anfangen, denn das Wort allgemeinbildend gibt es ja nicht mehr, und es wären zwei Varianten möglich.

Wir können nicht wissen, welche Regeln der Schreibende anwendet, und wir können bestenfalls ahnen, ob ein Schreibender nach Neuschrieb schreibt oder generell nur Fehler macht.

Noch etwas auffallender kommt die Sprachbeeinflussung im folgenden Beispiel zur Geltung, der Leser möge hier selbst ein wenig experimentieren:

„Der Arzt gab mir zwar ein sicher wirkendes, jedoch nicht schmackhaftes Mittel." ...

Eine Folge der Neuschreibung nach der Stammprinzipregel ist u. a., daß die Vokale "e" und "ä" gegenseitig ausgetauscht werden. Beispiel:

belemmert wird zu „belämmert". Das wiederum bedingt eine andere Sprechweise "ä" statt "e", auch wenn es sich hierbei wegen des kurzen Vokals nur um eine kleine, fast unhörbare Nuance handelt. In jedem Falle versucht aber der Sprechende, ein "ä" statt ein "e" zu artikulieren. Er formt seinen Mund anders als gewohnt. Wozu haben wir denn schließlich das "ä"?! Ursprünglich hatte ich vor, das Wort Wächte (Schneeüberhang) als Beispiel für diesen Sprachmißbrauch zu verwenden, aber ich habe es im Duden nicht gleich gefunden. Das Wort Wächte gibt es nämlich nicht mehr. Dafür ist ein neues Wort entstanden: „Wechte"! Anyway, auch die Gemse geht, und dafür kommt die „Gämse". Und bitte Mund auf beim Sprechen, Leute: „Äääää"...! Wir wollen nun diesen üblen Mis(s)thaufen verlassen und versuchen, über ein kleines Personalpronomen nachzudenken.

Die persönliche Anrede

... kann in Zukunft klein geschrieben werden. Ich hab's noch nicht bei meinem Chef probiert. Na gut, mit dem bin ich nicht per Du. Und das müssen die Kleinschreibungserfinder gewußt haben, denn beim "Sie" bleibt inkonsequenterweise wieder mal alles beim alten.

"Die überbetonte Ehrfurcht des einen vor dem anderen ist nicht mehr im Sinne unserer Zeit", führt hierzu das eingangs erwähnte Papier [3] aus. Außerdem sei das in anderen Ländern, beispielsweise in England, schon immer so üblich. Logisch, denn dort hat man ja einen eigens dafür zuge-schnittenen Wortschatz!

Wieso zwingt man mich, ein groß geschriebenes Du als "überbetonte" Ehrfurcht zu interpretieren?

Abgesehen von der Tatsache, daß die gegenseitige Achtung und Wertschätzung der Menschen in unserem Lande immer mehr den Bach runtergeht und die Umgangsformen immer rauher und wir uns immer fremder werden, ist dieser Vorschlag auch rein grammatikalisch unter aller Würde ...

Ich bedaure die Personalpronomen, die ein so unscheinbares, bescheidenes, nebensächliches Dasein in der deutschen Sprache führen müssen, obwohl sie doch eigentlich so wichtig sind, weil sie wie keine andere Wortkategorie die entscheidende Verbindung zu den Menschen darstellen.

Ach, du heiliger Vater

Ist ein Heiliger Vater eigentlich auch ein heiliger Vater? Den Sprachzerformern ist nichts heilig. Warum wollen wir nun nicht mal mehr die paar Eigennamen akzeptieren? Begreifen die Reformer denn nicht, daß ein „hohes Haus" ja nun mal etwas ganz anderes ist als ein Hohes Haus?

Ohmsches Gesetz

„Die Ableitungen von Eigennamen werden in Zukunft klein geschrieben. Wenn die Grundform des Namens betont werden soll, kann man den Namen zwar groß schreiben, muß dann jedoch die Endung mit einem " ' " abtrennen." [3]

So die neue Regel. Und wofür brauchen wir die? Soll mir mein Dreikäsehoch neuerdings diktieren dürfen, ob die Grundform des Namens betont oder nicht betont werden darf? Ich baue einen enormen Widerstand gegen die Nutzlosigkeit dieser neuen Regel auf.

Herr Ohm

Dabei führt mich das Stichwort Widerstand zum Herrn Ohm. Ich glaube nicht, daß jeder Mensch der Welt diesen Herrn Ohm kennt, auch wenn dieser Guru der Elektrotechnik das so berühmte und überaus wichtige Ohmsche Gesetz formuliert hat. Wenn wir aber in Zukunft das Ohmsche Gesetz klein schreiben sollen, geht völlig die Information darüber verloren, daß es sich bei „ohmsch" nicht um ein klassisches Adjektiv handelt, sondern daß diese Bezeichnung im Zusammenhang mit der Ehrung einer offensichtlich bedeutenden Persönlichkeit zu sehen ist. Das „ohmsche Gesetz" wird dann dem komischen Gesetz gleichgesetzt. Der Unfug läßt sich aber noch steigern, denn die neue Regel läßt ja nun neben das „ohmsche Gesetz" gleichzeitig auch noch die Schreibweise das „Ohm'sche Gesetz" zu. Also, was nun? ...

Trennung eines Zuckerbäckers

Die Überschrift deutet wegen des inzwischen berühmt gewordenen Wortes Zucker darauf hin, daß wir das Thema der korrekten Trennung längerer Wörter nicht links liegenlassen wollen. Tja eben, die längeren Wörter! Warum sollen wir in Zukunft den

A - bend"

trennen dürfen? Was soll dieser einsame Buchstabe am Ende der Zeile? Was hat das mit Vereinfachung zu tun? Ist A eine Silbe? Kann man dem ach so braven Schüler tatsächlich nicht beibringen, daß es Wörter gibt, die eben nun mal nicht getrennt werden können?

Hinzu kommt die Tatsache, daß sich Wörter, die auf diese Weise getrennt werden, schwer lesen lassen. Durch die räumliche Distanz zwischen Zeilenende und neuem Zeilenanfang beherbergt der allein zurückbleibende Einzelbuchstabe nur einen kleinen Rest der Information des Wortes. Darüber hinaus bewirken die nahezu freizügigen neuen Trennregeln, daß ein Wort in unterschiedlichsten Schreibweisen auftreten kann. Und das kann nicht Sinn eines Regelwerkes sein.

"Trenne nie 'st', ...". Ich bedaure so sehr den Wegfall dieser klassischen, liebevollen Eselsbrücke, die -zig Millionen Menschen übermittelt worden ist, die einem nie wieder aus den Gedanken verschwindet ... Trennen wir doch einfach mal ein paar st-Wörter oder lassen wir sie durch unseren Computer trennen [15]:

Zucker
  • Lachs - türme
  • Wachs - tube
  • Schnees - türme
  • Musikantens - tadel
  • Esss - tube
  • Dis - tanz

Welch eine Narretei! Ich will an dieser Stelle einräumen, daß ja "tz" oder "sp" schon immer nach dieser neuen Möglichkeit getrennt wurden und somit in diesem Falle durchaus eine Vereinfachung nachvollziehbar ist. Aber: Warum sollen wir beim "ck" nun wiederum genau das Gegenteil machen?

Zu - cker",

sagt der Neuschrieb! Die alte Regel forderte: Zuk - ker. Was ist hieran so schlimm? Und trennen wir in Zukunft
  • Ka - tze,
  • Tee - nager,
  • Obst - ruktion,
  • Ha - mmer,
  • ba - cken,
  • To - nne?
  • Fußballa - bend,
  • Fraktion - schef,
  • Schlos - sturm,
  • Messer - gebnis?

Die Trennung bak-ken liest sich leichter als „ba-cken", wenn man die Zeilenschaltung berücksichtigt. Der k-Laut wird nämlich angekündigt. Eine vernünftige Trennung des

Mes-sergebnisses

scheitert folgerichtig an der Substitution des "ß" durch "ss" (siehe Kapitel „Das ß und andere Doppelkonsonanten"!)

„Geschriebene Wörter trennt man am Zeilenende so, wie sie sich bei langsamem Sprechen in Silben zerlegen lassen" [4], §107.

Was ist langsam? Kein Kommentar! ...

Die Frage nach dem Stil

„Das Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in uns." Franz Kafka

Ich muß eingestehen, daß wir in der heutigen Zeit eigentlich beinahe keine Kenntnisse über unsere Sprache mehr benötigen. Der Wortschatz eines jeden einzelnen wird immer geringer, und wir brauchen nicht mehr viele Worte geschweige denn Wissen, um kommunizieren und überleben zu können. Es gibt Radio, Fernsehen und Computer. Briefe werden kaum noch geschrieben, das Gespräch am Telefon erschöpft sich nicht selten darin, einen "Termin" zu machen, und die tägliche Werbung nimmt uns Entscheidungen und Wertungen in nahezu allen Lebensbereichen ab. In diesem Zusammenhang beeindruckt mich, wie die Menschen in früheren Zeiten miteinander kommuniziert haben. Das barg Stil, Charakter und Verbindlichkeit.

In einem Brief des Philosophen Karl Jaspers an Martin Heidegger im Jahre 1949 sondiert Jaspers vorsichtig, ob nicht der Zustand, "daß wir gegeneinander schweigen", beendet werden könnte [16]:

"Die unendliche Trauer seit 1933 und der gegenwärtige Zustand, in dem meine deutsche Seele nur immer mehr leidet, haben uns nicht verbunden, sondern stillschweigend getrennt. Wenn auch Dunkelheit zwischen uns ist, so könnten wir doch versuchen, ob nicht im Privaten und Philosophischen zwischen uns ein Wort vom einen zum anderen geht... Ich grüße Sie aus ferner Vergangenheit, über einen Abgrund der Zeit hinweg, festhaltend an etwas, das war und das nicht nichts sein kann."

Ich will nicht ins Unterholz abwandern, aber ich kann mich nicht zügeln, diesen sensiblen Brief - ohne Beachtung des recht heiklen ursprünglichen Zusammenhangs im Falle Jaspers und Heidegger - in die heutige Zeit zu übertragen. Hier tut's unter Kumpels (damals sprach man immerhin von Freunden) wohl ein kurzer Text auf Karo-Papier gekritzelt:

"Naja, tut mir ja echt leid die Sache von damals. Weil ich bin eben Deutscher. Wenn Du willst, kannste ja mal rumkommen. Da könn'n wir'n Bierchen trinken gehen und mal drüber reden. Und dann vergessen wir den ganzen Salat. Fänd' ich geil. Also dann, hollidooo!".

Wo die Sprache verarmt, da verarmt auch das Denken. „Daß wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen." ...

„Wenn wir zugestehen, daß Sprache auch Ausdruck der Seele ist und nicht nur ein rein pragmatisch zu handhabendes "Mittel" der Kommunikation, also nicht nur "Technik" ist, so stellt sich die Frage, wieviel eines geistigen Erbes wir überhaupt noch fähig sind aufzunehmen." ... „Vielleicht ist uns auch der Sinn für die Schönheit und Einzigartigkeit des menschlichen Lebens abgekommen, für die Fülle, die der Augenblick bergen mag. Wenn Sprache auf eine so gehaltvolle Wirklichkeit verweist, wie sie der Dichter zu offenbaren versteht, ob Gehalt der Seele oder der Welt, so sind wir unseren Kindern regelrecht schuldig, ihnen diesen Reichtum, der sich auch in der Sprache niederschlägt, nicht vorzuenthalten." [18].

An einer Grundschule in Beelitz bei Potsdam mischen sich die Fachlehrer nicht mehr in das Ressort der Deutschlehrer ein, indem sie schriftliche Facharbeiten nicht mehr bezüglich Orthographie und Grammatik redigieren. Dem setzt Prof. Harald Zimmermann von der Universität Saarbrücken in einer Internet-Publikation noch eins drauf: „Zudem wird (hoffentlich) niemand mehr fragen, nach welcher Norm ein Roman geschrieben ist, sondern danach, welchen Gehalt er hat."

„Die Intellenz der Aburenten ist kastrophal.", fällt mir dazu nur ein.

Samthandschuhe für unsere Kinder

„Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein - im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen." Victor Klemperer, aus „LTI".

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn wir den Kindern im lernfähigsten Alter mit ein wenig Nachdruck ein niveauvolles Schreiben beizubringen versuchen? Es wird immer Kinder geben, die schwerer lernen, die faul sind, die von den Eltern lieber den Fernseher anstatt die Hausaufgaben erklärt bekommen, die vielleicht sogar eine geistige Behinderung haben, aber die lernen dann ganz andere Dinge auch nicht und dürfen nicht als Maßstab für einen Reformwillen dienen.

Die heutige deutsche Sprache verdanken wir im wesentlichen einem evolutionären Wandel durch viele Jahrhunderte. Und da kommen heute plötzlich ein paar Leute und inkompetente Wichtigtuer, die berühmt werden und in die Geschichte eingehen wollen, die vielleicht auch nur nicht fleißig genug waren und heute in einflußreichen Stellen sitzen, die keinen Ärger mit der Erziehung und Ausbildung von Kindern haben wollen, die jeder Konfrontation mit der Jugend aus dem Wege gehen und die meinen, daß es besser sei, die Kinder nicht mit so schlimmen Dingen wie mit der deutschen Sprache zu langweilen, denn schließlich solle jedes Kind antiautoritär aufwachsen und sowieso machen können, was es für richtig halte und ohne zu etwas genötigt zu werden, ... und die kommen jetzt auf die absurde Idee, die deutsche Sprache in ihrer Schriftform einfach so abändern zu wollen!

Dabei bemerken wir kaum, daß es nicht nur deutsche Sprache ist, die zugunsten einer anspruchslosen Minderheit primitiv gemacht werden soll. Wer setzt sich denn heute noch mit den Grundregeln des Anstandes und der Höflichkeit auseinander? Hier geben wir Nachlässe, ohne daß sich überhaupt jemand in Gremien oder Parlamenten darum kümmert. Selbst hier sind die Erziehungs- und Lehrberechtigten kaum noch bereit oder in der Lage, den Kindern ein anständiges Rüstzeug - und sei es durch Zwang - mit auf den Weg zu geben. Ein Kind will auch mal gefordert werden! · Woher sollen denn die Kinder ihre Erfahrungen und ihren Wissensreichtum bekommen, um in der Welt bestehen zu können, um nachfolgenden Generationen ihr Wissen weiterzuvermitteln, wenn wir uns nicht mehr trauen, ihnen etwas beibringen, sie zu fordern?

"Nee, mein Kind ißt nur Pommes." Klar, das Kind muß ja am besten wissen, was schmeckt und was gut und gesund für es ist. Weiß das Kind eigentlich, wie dieses Wort richtig heißt? Fragt es danach? Ich glaube nicht. Warum auch. Pommes ist zur Hauptspeise und damit deutsch geworden. Traurig. Und nicht mal besonders gesund. Wie oft sind Kinder dankbar, wenn sie als Erwachsene merken, daß sie in der Kindheit vieles gelernt haben, auch wenn es damals vielleicht nicht so freiwillig war. Aber wer spricht heute schon viel mit den Kindern! Sie stören im allgemeinen und werden vor den Fernseher gesetzt. Ab und zu tut's auch ein Gameboy oder ein kurzlebiges Tamagotschi (Tamagotchi?). Wer achtet schon auf die richtige Formulierung beim Sprechen? Hier ein paar Beispiele, die nicht nur dialektbedingt sind:

  • Ich darf nicht mit ins Kino, weil ich bin zu jung.
  • Das Buch, wo ich gestern gelesen habe, ...
  • Er sagt, er kommt etwas später. (indirekte Rede!)
  • Ich bin größer wie er.
  • Der Film war spannender, als daß ich gedacht hatte.
  • Ich gehe in die Stadt mit meine beiden Kinder.
  • Ich muß beim Friseur.
  • Kann ich Sie was helfen?
  • Wir sind im Zug gesessen.
  • Wir waren im Zug gesessen.
  • Jeder hat was, wo ihn besonders auffällig macht.
  • Man muß überlegen, wieviel Personal das man braucht.
  • Das Fenster ist auf. (offen!)
  • Auf dem Bild befindet sich ein Baum und ein Strauch.
  • Glauben Sie, ob man das schafft?
  • Ich und meine Freunde ... (eine Frage der Höflichkeit!)
  • Die Ausgabe von aktuelle Werte ...
  • Er hat es nicht realisiert (aber im Sinne von begreifen!)
  • Wir müssen sie noch etwas Milch geben (den Katzen)
  • Zweimal so teuer als ...
  • dreimal teurer wie ...
  • Wem sein Buch ist das?
  • Ich komme wegen dem Buch." ...

Wer viel liest, macht solche Fehler nicht. „Was für Fehler?"" fragen mich oft Leute, denen ich obige Beispiele zeige ...

Aber es ist heute alles so unwichtig. Wer kennt heute noch die indirekte wörtliche Rede? Wer spricht heute noch in vollständigen Sätzen? Wer beachtet die richtige Deklination und Konjugation? Wer sucht nach interessanten, ausdrucksstarken Wörtern oder Satzkonstruktionen? Wer setzt sich selbst bei einer Aufzählung an den Schluß? Wer spricht im Genitiv? Im Präterituim? Da haben es die Lehrer, falls sie sich überhaupt bemühen und selbst über das notwendige Wissen verfügen, reichlich schwer, wenn sprachlicher Unfug daheim oder im sonstigen Umfeld des Lernenden nicht berichtigt wird ...

Und nichts ist verbindlich

... in dieser neuen Rechtschreibung ... Die neuen Regelungen beinhalten so viele Varianten und Beliebigkeiten, daß ein Lernender nicht ahnen kann, ob und wo er eine Wahl hat und wo nicht.

  • Wer lehrt den Lernenden die notwendige Verantwortung und Feinfühligkeit bei der Wahl seiner Schreibweise?
  • Wer versetzt ihn in die Lage des späteren Lesers und bringt ihm bei, eine potentielle Sinnentstellung zu erkennen?

Dürrenmatt, "Die Füsicker"! Verdammt noch mal, warum wollen wir nicht anerkennen, daß unsere Sprache zu einem nicht geringen Teil aus Lehn- oder Fremdwörtern besteht? Muß man denn jedes Lehnwort gewaltsam und per Gesetz eindeutschen? Dann würde man den Ursprung dieses Wortes nicht mehr erkennen können, und es wäre trotzdem nicht deutsch, sondern eher verstümmelt und nicht nachvollziehbar. Und dann dieser sinnlose Streit um das Kängeru, Känguru, Khänguru, Känguruh, Kengeru oder ... Ja, warum nicht eigentlich "Fuks" oder "Fux"? Meinetwegen auch "Fucks".

Oh, da müßten aber die Kinderlein in Zukunft gut lernen, wenn es dann so viele Möglichkeiten gäbe, "Fuchs" zu schreiben; wenn jeder schreiben könnte, wie er wollte! Wozu brauchen wir überhaupt die Buchstaben v, x, y, q, ..., wenn wir dann doch mit weit weniger Buchstaben auskommen könnten? Warum schreibt man die Kuh nicht mit einem einzigen Buch-staben "Q" oder "Ku"? Im Angelsächsischen wird es ja eh Mode:

  • CU = see you
  • T42 = tea for two

Oh, hier gäbe es ordentlich was zu reformieren! Oder: „Abendteuer", das könnte man auch viel besser trennen als "Abenteuer": "Abend-teuer"! Oder wie wäre es mit "Wir gehen ins Kaffee?"

"Die Neuregelung der Rechtschreibung orientiert sich vor allem an den Bedürfnissen von Schülerinnen und Schülern und hat insgesamt den 'Normalbürger' im Blick." [19] ·

Was ist ein "Normalbürger"? Was sind die Bedürfnisse von Schülern? Und: Von welcher Art von Schülern?

"Künstler können auch in Zukunft wie bisher selbstverständlich frei mit der Sprache umgehen und sie im Zuge ihres literarischen Schreibens individuell gebrauchen. Sie brauchen sich dabei um Orthographieregeln wie bisher nicht zu kümmern." [19]

  • Wieso darf ein Nichtkünstler nicht frei mit der Sprache umgehen?
  • Wieso unterstellt man den Künstlern, daß sie sich nicht um Orthographieregeln kümmern wollen?
  • Wollen wir eine Zweiklassen-Schreibgesellschaft mit Normalbürgern und Künstlern?

Wollen wir tatsächlich unterschiedliche Orthographien in Büchern und im "normalen" Leben? Gehören die Redakteure eigentlich zu den Künstlern? Wie schreiben wir Geschäftsbriefe, Bewerbungen, Persönliches, Fachtexte, ...? Wenn das Kind dann ein neues (!) Buch liest, wird es vielleicht feststellen: "Mutti, guck mal, der schreibt das ja ganz anders!" Und die Mutti wird sagen: "Der darf das. Das ist ein Künstler und kein Normalbürger. Der muß sich nicht an die Orthographie halten..." ...

"Tatsächlich betrifft die geplante Neuregelung ausschließlich das Schreiben in Behörden und Schulen." [19]

Na also, das ist doch 'ne klare Aussage, und ich frage mich, was ich mir hier eigentlich für Gedanken mache: Ich bin in keiner Behörde und in keiner Schule, und somit muß ich meinen Verstand nicht an der Garderobe abgeben. Allerdings frage ich mich auch, wie oft in den Behörden täglich das Wort Tolpatsch geschrieben wird. Außerdem vermute ich mal, daß der Neuschreibzwang in den Bildungseinrichtungen zwangsläufig dazu führen wird, daß nachfolgende Generationen nur noch nach diesem Unfugswerk schreiben ...

Wenn wir lesen, dann erfassen wir ein Wort als geübter Leser nicht durch Buchstabieren, sondern wir erkennen das Wort in seiner Gesamtheit, an seinem Wortbild, und manchmal überschauen wir sogar ganze Satzkonstruktionen mit einem Blick. Wenn Wörter zukünftig verschiedenartig geschrieben werden dürfen, werden bekannte Wortbilder zerstört, oder es entstehen keine einheitlichen Wortbilder mehr. Das hemmt den Lesefluß ungemein. Es gibt überhaupt keinen Sinn und keinerlei Nutzen für die Gesellschaft, einer Abänderung ins Schlechtere, Primitive zuzustimmen, nur weil einige Leute Fehler beim Schreiben machen.

Wer nicht bereit ist (ernsthafte geistige Behinderungen ausgeschlossen), sich Wissen in einem bestimmten Fachgebiet anzueignen, der kann nicht verlangen, daß wegen seiner Faulheit die Prüfungen in diesem Fach großzügiger gehandhabt oder physikalische Gesetze umformuliert oder trivialisiert werden. Wenn ich im Sport für eine gute Note nicht schnell genug laufe, muß ich dies anerkennen. Oder ich muß trainieren. Wenn es nur darum geht, die Maßstäbe herunterzuschrauben, damit sich die Schüler über bessere Noten freuen (oder wundern!) können, müßten wir lediglich die Fehler-Noten-Zuordnung anpassen. Notengeben ist eine rein pädagogische Aufgabe und hat mit einer Reform absolut nichts zu tun...

Wie lösen wir in Zukunft die Kreuzworträtsel? Da kriegen wir ja nicht nur Probleme mit den Alternativschreibungen, sondern wir müssen als Weltneuheit das Leerzeichen einführen:

„senkr.: ... 43. anderes Wort für nicht verheiratet, 45. ..."

43a l l e i n _ s t e h e n d

Außerdem ist die Fragestellung nicht mehr korrekt: Es müßte lauten: „...andere zwei Wörter für nicht verheiratet".

Über Redundanzen, Zuverlässigkeit und Steno

Wenn wir in einem Text, in einer Quelle, etwas weglassen können, ohne daß Information über den Inhalt verlorengeht, dann sprechen wir von Redundanz, d. h. die Teile, die wir weglassen können, sind „überflüssig" oder redundant, d. h. die Information ist ohne diese Teile reproduzierbar. Natürlich kann man überall und allerorts in unseren Lebensbereichen dieses und jenes weglassen oder abschaffen, z. B. was uns zur Ausübung einer Tätigkeit lästig erscheint. Nur bieten nicht alle Quellen eine ausreichende Redundanz an.

Man kann beispielsweise die Regel über das Anzeigen des Fahrtrichtungswechsels im Straßenverkehr einsparen, was ja heute sowieso gerade in Mode kommt. Der Nichtblinker, der nichts anderes ist als faul oder der einfach nur „dagegen" oder „in" sein will, zwingt andere Verkehrsteilnehmer, sich die Information bezüglich seiner Fahrmanöver über Umwege zu besorgen, beispielsweise über die Vermutung (nicht die Überzeugung!), daß jemand, der in einer rechten Spur hält, immer und grundsätzlich nach rechts abbiegen will. Wenn der andere Verkehrsteilnehmer aber nicht sieht, daß der Nichtblinker in einer Rechtsspur steht, wird die Interpretation lauten: „Der fährt geradeaus." Der Vorgang des Rechtsabbiegens birgt also gefährlich wenig Redundanz: Man sollte die Regel des Blinkens nicht abschaffen, denn in der Praxis dient sie der Transformation der Information des Fahrers 1 „Ich biege rechts ab" in den visuellen Bereich (blink-blink) und von dort aus wieder zurück in den Gedankenbereich des Fahrers 2: „Der biegt rechts ab".

Ähnlich verhält es sich mit unserem Thema: Wenn sich eine Sprachgemeinschaft auf schriftliche Weise miteinander verständigen will, muß sie versuchen, eine möglichst verlustfreie Transformation in den Schriftbereich (das Schreiben) und Rücktransformation in den Gedankenbereich (das Lesen) zu erreichen. Von der Qualität der Transformationsregeln ist es nun ganz entscheidend abhängig, ob der Leser das Anliegen des Schreibenden richtig und ohne Umwege interpretiert. Sehr vereinfacht gesagt sind Transformationsregeln alles das, was im Duden steht, auch die einzelnen Wörter. Ein beliebiger Leser kann den Satz

„Der Vater empfahl dem Lehrer nicht zu widersprechen."

nur dann richtig interpretieren, wenn er sich darauf verlassen kann, daß dieser vom Schreibenden nach eindeutigen, allerorts bekannten Kommaregeln in den Schriftbereich transformiert worden ist. In unserem Beispiel will uns der Schreibende mitteilen, daß es gar keine Empfehlung seitens des Vaters an den Lehrer gab (hoffentlich!). Man darf sich vor zu ein Komma denken (Man darf es sogar setzen!). Hat der Leser aber Kenntnis darüber, daß der Schreiber nach „Neuschrieb" schreibt, kann er diesem Satz keine eindeutige Information abgewinnen.

Dieses Sich-darauf-verlassen-können ist wichtig! Und genau diese Zuverlässigkeit nimmt uns die Reform, indem sie u. a. das Setzen der Kommata nicht mehr reglementiert und damit eine ganz wichtige Transformationsregel beseitigt! Die Reform setzt in unserer Schriftsprache Redundanzen voraus, die in Wirklichkeit nicht da sind.

Viele Reformer wollen ja sogar die Großschreibung von Substantiven abschaffen. Natürlich würde dadurch das elementare Schreiben einfacher, aber die Information darüber, was das Geschriebene bedeutet, muß sich der Leser dann u. U. aus dem Kontext heraussuchen. Erstens ist das umständlich, denn die Großschreibung ist eine nützliche Lesehilfe, und zweitens gibt es nicht immer einen Kontext.

Unsere artikulierte Sprache besitzt einen vergleichsweise hohen Grad an Redundanz. Allein die Laute aus dem Munde eines Kleinstkindes „hamm hamm" genügen, um den Eltern die Information zu geben: Ich habe Hunger. Beim Schreiben dagegen haben wir nur sehr begrenzte Möglichkeiten, beispielsweise eine Verwunderung auszudrücken, ein Wort zu betonen, Wut, Freude oder Trauer herüberzubringen. Um dies zu umgehen, haben wir uns über Jahrhunderte hinweg Hilfsmittel in Form von Satzzeichen und Regeln geschaffen. Das Heben der Stimme können wir durch ein Fragezeichen kenntlich machen, die Befehlsstimme durch ein Ausrufezeichen. Ironische Bemerkungen lassen sich durch Gänsefüßchen kennzeichnen. Substantive und Eigennamen werden durch ihre Großschreibung rasch „enttarnt" und als solche schnell wiedererkannt.

Unsere Schriftsprache hingegen ist weitaus anfälliger bezüglich ihrer Redundanz. Alle Satzzeichen, Großschreibungen und Regeln, die sich über Jahrhunderte entwickelt und bewährt haben, sind wichtig und dürfen nicht beseitigt werden. Wenn wir „hamm hamm" irgendwo lesen, benötigen wir sicherlich irgend einen Kontext, um zu erkennen, daß da jemand Hunger hat. Das folgende Beispiel soll die Redundanz unserer Schriftsprache verdeutlichen:

„Ich habe Hunger."

Die Information darüber, daß ich hungrig bin, geht nicht verloren, wenn ich statt habe nur hab schreibe. Die Information bleibt sogar dann erhalten, wenn ich Hunnger schreibe. Insofern entsteht natürlich kein unmittelbarer Schaden, wenn das Känguruh sein h verliert. „Ich Hunger" ginge auch noch. Aber viel mehr an Redundanz ist nicht drin in diesem Satz. Grundsätzlich gilt:

Je mehr wir beim Schreiben weglassen und vereinfachen, um so mehr müssen wir uns beim Lesen anstrengen.

Warum einigen wir uns in unserem Vereinfachungswahn eigentlich nicht auf die Stenographie? Das ist doch die Schriftsprache mit der großzügigsten Schreibvereinfachung und damit die geniale Schrift schlechthin: Es gibt weder Großschreibung noch eine Kennzeichnungspflicht für Doppellaute. Und wenn man mit den hier geltenden Buchstaben und Kürzeln nicht auskommt, darf man sich sogar eigene Schriftzüge ausdenken. Nicht zuletzt kann man in Steno sehr schnell schreiben, und für diesen Zweck ist diese Schriftform ja auch erfunden worden.

Steno

Leider hat Steno die Eigenschaft, ein sehr schlechtes Transformationsmittel zu sein. Denn auf Grund der vereinfachten Regeln beim Schreiben besitzt Steno einen hohen Grad an Interpretationsmöglichkeiten. Steno lebt nicht unwesentlich vom Kontext. Das abgebildete Beispiel 1 kann sowohl Beet als auch Bett heißen, und wenn man den Schreibstil oder die unvermeidbare „Sauklaue" des Schreibenden nicht als Vergleich hat oder wenn keine Führungslinien existieren, ist sogar Boot oder Bit möglich. Übrigens bedeuten diese beiden kleinen Schlangenlinien, die sich für Ungeübte beinahe nicht voneinander unterscheiden, jeweils necken (2) und nennen (3). Noch Fragen?

Eine solide Grundlage

Wer ein Wort schreiben will, muß es kennen. Und wer nicht weiß, wie er das ihm unbekannte Wort schreiben muß, für den ist es weiß Gott keine Schande, wenn er jemanden fragt oder ein Fachbuch zu Rate zieht. Wozu gibt es die Nachschlagewerke?! ...

Und wer den Thunfisch irgendwann zum ersten Mal kennengelernt hat, wird dessen Schreibweise akzeptieren und ein Leben lang nicht mehr vergessen - und dieses Tierchen auch nicht mehr anders schreiben wollen! ...

Ich will damit andeuten, daß eine solide Allgemeinbildung und Weltoffenheit ganz entscheidende Voraussetzungen sind für die Fähigkeit des Schreibens und die Akzeptanz einer Schreibweise. Hierzu gehört insbesondere das Lesen. Denn wenn man etwas kennt, ergibt sich alles andere meist von selbst. Wenn ich weiß, woher der Begriff inline-skates stammt und wenn ich der Quellsprache kundig bin, kann ich dieses Wort sofort schreiben. Dann brauche ich keine besonderen Regeln mit irgendwelchen Bindestrichen, Zusammen- oder Getrenntschreibung.

Die neue Schreibung in Beruf und Karriere

Mir kann keiner weismachen, daß die sogenannte Rechtschreibreform die Chancen für den Einstieg in ein Arbeitsverhältnis erhöht. In welchem Bewerbungsschreiben steht das Wort Tolpatsch? Wenn sich ein Personalchef mehrfach durch ein fehlendes Komma gestört fühlt, wird er das Anschreiben wohl beiseite legen, auch wenn es nach den neuen Regeln korrekt ist ...

Inzwischen bewerben sich Schreibkräfte immer häufiger mit dem Hinweis, daß sie der neuen Schreibung kundig sind und meinen, damit für sich und den Arbeitgeber etwas Gutes zu tun. Hiervor kann ich beide Seiten nur warnen! Das Wissen um einen „Fluss" statt Fluß macht noch lange keinen guten Schreiber aus! Die deutsche Schriftsprache hat weitaus mehr Eigenheiten, als eine Reform jemals abfangen könnte. Stilvolles und fehlerfreies Schreiben will gelernt sein, daran ändern weder „dass" noch „A-bend" etwas ...

Nun ist bekanntermaßen nicht alles, was alt ist, auch rückschrittlich. Aber wem soll ich das wie erklären? Kein klassischer Industriebetrieb wird seinen Umsatz steigern, wenn er die neuen Regeln anwendet. Aber er wird u. U. enorm hohe Aufwendungen für die Umstellung des firmeneigenen Schrifttums bezahlen müssen. Und die Regeln werden sich noch oft ändern! Aber es heult sich eben leicht mit den Wölfen.

Die verheerenden Auswirkungen

... spielen sich stillschweigend im Hintergrund ab und werden von der Öffentlichkeit kaum bemerkt. Bereits vor Inkrafttreten der Reform für Schulen und Behörden haben viele Schul- und Kinderbuchverlage auf die neue Schreibung umgestellt und dabei äußerst anmaßende Eingriffe in bestehende literarische Werke verübt. Neben den meist sofort ins Auge springenden ss-Korrekturen befleißigen sich die Schulbuchverlage offen-bar primär im Weglassen von Satzzeichen, wohl um die Fortschrittlichkeit des Verlages zu zeigen und um auf diese billige Weise am Markt zu bleiben ...

Die rigorose und teilweise überzogene Übertragung der neuen Schreibung auf bestehende Literatur versetzt einen Autor wie Thomas Mann "... in die Klasse der Anfänger oder Stümper, denen man eine differenzierte Kommasetzung nicht zumuten möchte" [20]. An Beispielen, die sich auf so einfache Weise finden lassen, läßt sich "zeigen, daß die Umsetzung der Rechtschreibreform in den Schulbüchern eine beispiellose intellektuelle und ästhetische Verwüstung nach sich zieht" [9] ...

Und es ist doch fast ein Verbrechen, wenn ausgerechnet Kinder, also Schreibanfänger, die neue Suppe vorgesetzt bekommen und somit als Testpersonen und Überträger von Minderwissen mißbraucht werden. Kinder lernen erst einmal alles, was man ihnen zeigt. Sie sind zunächst unbedarft. Das macht sie kostbar, aber auch verwundbar. Woher sollen sie wissen, daß es viel bessere, klarere Möglichkeiten des Schreibens gibt?

Ab dem Schuljahr 1997/1998 jedoch wird den Schülern die heute gültige Rechtschreibung vorsätzlich vorenthalten, offenbar damit der Staat die Regelungen allgemein erzwingen kann! Das ist eine Schande! Für den Erstkläßler ist die Neureglung sowieso völlig bedeutungslos, da bis auf das "ss" kaum Änderungen relevant sind. In höheren Klassen lernen sie dann die "falschen Regeln", und um so verheerender dürfte sich das in einigen Jahren auswirken, wenn sich dieser Schwachsinn dann durchsetzt.

Die Abschaffung der negativen ganzen Zahlen

Stichwort bedeutungslos: Ich werde oft auf eine gewisse Bedeutungslosigkeit der Reforminhalte im Hinblick auf deren Auswirkungen angesprochen, z. B. in folgender Weise: „Schauen Sie, hier sind zwei Texte. Der eine ist nach den neuen Regeln, der andere nach den bisher gültigen Regeln verfaßt. Merken Sie einen Unterschied?"

Natürlich merke ich dann keinen Unterschied. Der Frager will mir damit stolz verdeutlichen, daß die Reform ja lediglich null-komma-null-irgendwas Prozent unseres Wortschatzes betreffe und man sich darüber nicht aufregen solle. Mal abgesehen davon, daß sich Texte natürlich immer so auf-bereiten lassen, daß sie beiden Schreibungen gerecht werden, halte ich diese Mogelfrage für sehr unseriös, da sie verfänglich ist. Zunächst ergeben sich aber zwei Gegenfragen:

  • Wozu brauchen wir dann diesen Aufwand mit der Reform?
  • Wieso lassen sich die Deutschnoten spürbar verbessern, wenn nur ein solch winziger Anteil an Schrifttum von den Änderungen betroffen ist?

Stellen wir uns doch einmal vor, irgendeine Kommission beschließe heute die Abschaffung der negativen ganzen Zahlen (-1, -2, -3, ...), weil diese vorzeichenbehafteten Auswüchse der Mathematik den Schülern in der heutigen Zeit nicht länger zugemutet werden könnten und weil beim Rechnen zu viele Fehler gemacht würden, demzufolge die Schüler immer schlechtere Noten bekämen und sie ihre Karrierechancen in Gefahr sähen. Wären wir dann trotz dieser Verordnung noch in der Lage, die Aufgabe

2765 + 28767

z

u lösen? Die Reformer nutzen hier schamlos die Tatsache aus, daß ein Großteil der Bevölkerung keinen blassen Schimmer von den weitergehenden Inhalten der Reform hat. Wenn mir als „unbedarftem" Trinker ein Weinkenner glaubwürdig versichert, in diesem Wein seien nur 0,08% Alkohol, dann glaube ich ihm das sofort. Daß ich aber nach drei Gläsern wegen eines Produktionsfehlers wahrscheinlich kotzen werde, hat er mir vorher absichtlich nicht verraten.

Nun haben wir also drei Rechtschreibungen

... seit dem 1. August 1999:

  1. Die klassische Schreibung: Sie gilt nach wie vor, wird aber in fast allen Schulen nicht mehr gelehrt und in Ämtern offiziell nicht mehr angewendet.
  2. Die „reformierte" Schreibung: Sie gilt seit einiger Zeit in Schulen und Ämtern und ist in diversen Veröffentlichungen und Nachschlagewerken höchst widersprüchlich dokumentiert.
  3. Die Schreibung der Nachrichtenagenturen: Sie orientiert sich im wesentlichen an der neuen, „reformierten" Schreibung, wobei sich einige Zeitungsverlage diverse Ausnahmen einräumen.
In eigener Sache

So kündigten beispielsweise die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) vom 1. August 1999 die Umstellung auf Neuschrieb unter der Überschrift

„An diesem Wochenende verliert das alte Känguruh sein ‘H’"

mit folgenden Ausnahmen an:

  • Die Ziffern 1 bis 12 werden nach wie vor als Wort geschrieben.
  • Fremdwörter aus lebenden Sprachen werden nicht eingedeutscht (z. B. Ketchup, Spaghetti)
  • Dreitonner, achtjährig u. ä. Wörter werden nach wie vor ohne Bindestrich geschrieben.
  • Das Ohmsche Gesetz u. ä. Eigennamen werden auch weiterhin groß geschrieben.
  • Die vertrauten Anredepronomen werden auch zukünftig groß geschrieben.
  • Die alten Trennregeln am Zeilenende werden beibehalten.
  • Die alten Kommaregeln werden beibehalten.

„Die Agenturen bleiben bei der alten Form der Zeichensetzung, um die Lesbarkeit ihrer Nachrichten, insbesondere für ihre Kunden aus dem Audio-Bereich, zu gewährleisten."

Na also. Wozu brauchen wir neue Regeln, wenn nicht einmal die Nachrichtenagenturen etwas damit anfangen können?

Sonntag

Die in Karlsruhe erscheinende „Zeitung zum Sonntag" kündet die Umstellung auf Neuschrieb gezwungenermaßen, aber nicht ohne Stolz wie nebenstehend an. Na, sieht das nicht nett aus? Für mich als weiter vorn zwangsdefiniertem „Normalbürger" sind in diesem Text mindestens sechs krasse Fehler enthalten! Warum eigentlich nicht „Tripp" (wie „Tipp") statt Trip? Der Redakteur hätte die Hawaiiinseln mit Bindestrich schreiben dürfen. Aber er wollte uns sicherlich beeindrucken.

Gleich zwei Schreibungen in einer Zeitung bietet der „Sonntag" an, der auch in der „Stadt des Rechts" erscheint:

Auch wenn die Regeln Unsinn sind,
sind sie gut genug für’s Sonntagskind.

Und alles, was sich reimt, ist gut, würde Pumuckl sagen. Fördert dieser Unfug etwa die Einheit der deutschen Schriftsprache? Allein die oben genannten Punkte stellen das ganze Reformwerk ins Abseits! Im übrigen werden nicht alle Zeitungsverlage auf Neuschrieb umstellen. Als Beispiel will ich den „Eulenspiegel", die bekannte Satire-Zeitschrift aus Berlin, zitieren:

„Die neue Rechtschreibreform zum Beispiel geht uns, auf gut deutsch gesagt, am Arsch vorbei. Nur jeder sechste Bürger, so wurde ermittelt, will sich an die halbgaren neuen Regeln halten. Wir haben nachgezählt: Wir sind nicht der sechste, sondern ­ wie zu erwarten war ­ der erste. Folglich werden wir uns an dem Versuch, auch noch den letzten Legastheniker in den Stand des Schriftgelehrten zu erheben, nicht beteiligen. Außerdem fehlt uns gerade das Kleingeld für einen neuen Duden." [22]

Danke, liebe „Eule"!

"Ihre Zuschrift können wir leider nicht drucken..."

(ohne Worte!)

„Seit dem 1. August 1998 verbindlich!"

Mit diesem Slogan werben zunehmend Firmen, die sich damit befassen, das Erlernen der neuen Schreibung in Trainingsseminaren anzubieten. Bekanntlich läßt sich durch das Abhalten von Weiterbildungsmaßnahmen und Umschulungen viel Geld verdienen, da scheut man auch nicht davor zurück, seine potentiellen Kunden zu belügen:

Im Zusammenhang mit der Rechtschreibreform ist dieser Slogan schlicht falsch! Niemand muß die neue Schreibung anwenden!

Selbst an den Schulen gelten bezüglich der Benotung übergangsweise Kulanzregelungen. IMW, das „Bildungsinstitut der Mittelständischen Wirtschaft" beispielsweise, schafft dieses Umlernen mit Hilfe der Dozenten der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS), Wiesbaden, an einem einzigen Tag und verlangt dafür pro Teilnehmer eine ordentliche dreistellige Summe (DM). Bemerkenswert für mich ist der Nutzen, den ein Unternehmen mit der Schulung seiner Mitarbeiter beim IMW dabei erzielen könne [23].

Natürlich schläft auch die Software-Branche nicht. So bietet beispielsweise die Firma CLT Sprachtechnologie GmbH, Saarbrücken, das professionelle Konversionstool Corrigo an, welches Texte von der klassischen in die neue Schreibung konvertiert [24]. In künftigen Programmversionen ist sogar eine Rückkonvertierung in die klassische Schreibung vorgesehen. Vielleicht wird das tatsächlich bald ein Renner! ... Es ließe sich einstellen, wie „stark" die neuen Regeln greifen sollen. Damit könnte man sich sozusagen seine eigene Rechtschreibung einrichten, so wie es uns ja die Nachrichtenagenturen und Zeitungen vormachen. Nur dort, wo es ganz schwierig wird, setzt Corrigo Markierungen, damit der Benutzer selbst die von ihm gewünschte Entscheidung treffen kann [24]. So richtig zaubern kann eben niemand ...

Die Gerichte entscheiden

... übrigens nicht, wie oft in den Medien suggeriert wird, über Sinn oder Unsinn von Reformen, sondern bestenfalls über die Betroffenheit Einzelner oder von Gruppen. So heißt es beispielsweise im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 14. Juli 1998:

Recht

„Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindlichkeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereiches sind rechtlich nicht gehalten, die neuen Rechtschreibregeln zu beachten und die reformierte Schreibung zu verwenden. Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben. ... Es ist unter diesen Umständen nicht erkennbar, inwieweit durch die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung Grundrechte derjenigen, die ihrer Schreibung die alten Regeln und Schreibungen zugrunde legen wollen, beeinträchtigt werden können."

Das ist gut gesagt und klingt zunächst einleuchtend, trifft aber nicht den Kern der Sache. Selbstverständlich kann ich aus rechtlicher Sicht schreiben, wie ich will (es sei denn, ich gehe in die Schule, bin Beamter oder Nachrichtenredakteur). Das ist ja auch stets ein Argument der Reformer. Mal abgesehen davon, daß es dann aber trotzdem eine Diskrepanz zwischen der Lehrmeinung und dem nichtschulischen Bereich gibt, was an sich schon absurd ist, vergißt dieses Urteil völlig eine ganz wichtige betroffene Gruppe, nämlich die der Leser! Als Leser muß ich in jedem Falle Rechtschreibregeln beachten, denn ich werde ja unmittelbar damit konfrontiert! Vielleicht werden die Klagen vor den Gerichten nicht in diesem Sinne formuliert.

Aber ich persönlich fühle mich durchaus genötigt, wenn ich mit einer Wut im Bauch in die Kinderbuchabteilungen gehe, wunderschöne Kinderbücher sehe, die ich vielleicht gern kaufen und verschenken möchte, und wenn ich letztendlich doch vom Kauf Abstand nehme. Ich sehe mich auch genötigt, wenn ich Komma-getilgte Artikel in Zeitschriften, Anschreiben, Briefen o. ä. lesen muß.

Es gehörte schon immer eine gehörige Portion Mut dazu, als einzelner das Richtige zu tun, wenn alle anderen das Falsche längst zum Gesetz erhoben hatten: Schleswig-Holstein hatte diesen Mut. Der Ausgang des Volksentscheids vom 27. September 1998 zur „Rechtschreibreform" verdient Respekt. Die Reformer sprechen davon, daß damit ein Schreibchaos entstanden sei. Da gebe ich ihnen recht. Die Frage ist nur, wer es verzapft hat. Das Kuriosum, daß die Sache des Schreibens in den Hoheiten der einzelnen Bundesländern liegt, hat nun ganz legitim zur Folge, daß ein einziges Bundesland ausscheren und nun „anders" als alle anderen Bundesländer schreiben darf, ganz zu schweigen vom deutschsprachigen Ausland. Ohne Reform gäbe es kein solches Chaos ...

Kleines Fazit

"Ich habe nichts dagegen, wenn im Frieden Schwachköpfe in den hohen Ämtern sitzen. Aber im Krieg sollte man zum Kriegsminister nur einen Mann bestellen, der eine Landkarte von einem Teppichmuster unterscheiden kann." Lion Feuchtwanger, aus: „Füchse im Weinberg"

Bis auf wenige Ausnahmen, die tiefergehend untersucht werden müßten, bringt die Reform weder Transparenz noch Einfachheit in Rechtschreibung und Grammatik. Eher ist sie nutzlos, inkonsequent, undurchsichtig, verwirrend und birgt die Gefahr großer Unsicherheit und neuer Fehlerquellen. Darüber hinaus

  • bewirkt sie eine akute Verkomplizierung der Satzverständlichkeit und der Lesbarkeit bis hin zur Fehlinterpretation des Geschriebenen
  • ergeben sich erhebliche Einschränkungen in der Ausdrucksvielfalt unserer Schriftsprache, und bestimmte Inhalte können über die schriftliche Kommunikationsform gar nicht mehr übermittelt werden, weil Wörter verschwinden
  • entstehen künstlich neue Wörter, die es eigentlich gar nicht gibt, beispielsweise Wechte
  • zerstört sie die schriftsprachliche Einheit, und ganze Generationen werden mit unterschiedlichen Orthographien aufwachsen und diese weitergeben
  • geht teilweise die Information über den Ursprung von Wörtern verloren
  • werden Lernaufwand und Verunsicherung sowohl beim Lernenden als auch beim Lehrenden deutlich zunehmen
  • steht im Zweifelsfall kein eindeutiges Regelwerk mehr zur Verfügung
  • entzieht sich das neue „Regelwerk" im Zweifelsfall seiner Verantwortung für gute Schreibung und verlagert diese noch stärker auf den Schreibenden
  • werden Zensuren nicht mehr den wahren Bildungsstand eines Schülers repräsentieren können
  • wird die Sprache in ihrer Gesamtheit langweiliger und unästhetischer, und die Neugierde beim Schreiben geht verloren
  • erzieht die Reform keinesfalls zur Tugend der Gewissenhaftigkeit, das Schreiben wird schlampiger, gewissenhafte Lehrer geraten u. U. in einen Konflikt mit der übergeord-neten Behörde, und es besteht die Gefahr von Autoritäts-Komplikationen im Lehrer-Schüler-Verhältnis
  • wird das Lesen bald keinen Spaß mehr machen.

Wie ich sicherlich deutlich machen konnte, verlangen die reformierten Regeln ein noch höheres Maß an Wissen, Intelligenz und Feingefühl bei der Auswahl von Schreibweisen als die jetzigen. Somit wird dem ach so schützenswerten Schüler eine noch größere Verantwortung zuteil, als die Reformer es eigentlich wollten, denn laut Regelwerk soll der ja in vielen Fällen nun selbst entscheiden, was gut, richtig und verständlich ist. Das Regelwerk selbst drückt sich davor. Drückt sich aber der schreibschwache Schüler (und um den geht es hier ja wohl die ganze Zeit) nun aber auch davor, so entstehen in Zukunft absonderliche Werke der Schreibkunst, die kein vernünftiger Mensch mehr lesen kann und will.

Es darf doch nicht angehen, daß wir den heutigen Kindern und Lernwilligen ihre Fähigkeit zum Erlernen der deutschen Sprache absprechen, sie als lernfaul einstufen, für die Primitives gerade gut genug ist! Es ist unverantwortlich und moralisch nicht vertretbar, daß Millionen Erwachsene im öffentlichen Dienst genötigt werden, falsche und sinnentstellende Schreibgebilde zu fabrizieren.

Offenbar versuchen hier einige Reformer, die Stilblüten ihrer eigenen Schreibschwäche und der unserer Erstkläßler in den Duden zwingen zu wollen. Anstatt daß sich die Reformer und die sich berufen fühlenden Politiker die so wichtige Frage stellen, warum denn immer mehr Kinder immer weniger in der Lage sind, richtig zu schreiben und zu formulieren, ja sich überhaupt sprachlich auszudrücken, suchen sie nach Wegen, die lästigen Fehler gewissermaßen zu legalisieren und den Anspruch dieser traurigen Realität anzupassen.

Überall dort, wo beim Schreiben Beliebigkeiten und Varianten zugelassen sind, werden natürlich schon aus rein mathematischer Sicht weniger Fehler auftreten. "Schreibt, wie Ihr wollt!", könnte man das nennen, und wer hier meint, er könne dann aus Fehlerquoten in "reformgerecht" manipulierten Diktaten auf die Qualität eines Schülers schließen, dem darf ich guten Gewissens seine Kompetenz in Sachen Rechtschreibung und Pädagogik absprechen. Den Schaden, den ein solcher Nichtkompetenter damit anrichtet, dürfte sein lernendes Volk spätestens mit dem Eintritt in ein seriöses Berufsleben bemerken. Ich bin nur gespannt, wer hier irgendwann einmal für verantwortungslose Volksverdummung, Geldverschwendung und Zerstörung kultureller Güter zur Verantwortung gezogen werden wird.

Das neue Regelwerk enthält "... allerlei Firlefanz in Randbereichen, vor allem die ... lächerlichen Volksetymologien, die das Steckenpferd eines einzigen Reformers waren, nun aber einer Sprachgemeinschaft von 90 Millionen Menschen aufge-nötigt werden" [2].

Die Kultusminister betonen in ihrer Dresdner Erklärung, daß kein einziges deutsches Wort durch die Neureglung verlorengeht. Ich habe anschaulich gezeigt, daß dies falsch ist. Auch wollen uns die Reformer weismachen, daß die Zulassung von Varianten eine Erleichterung für den Lernenden dar-stellt. Nur:

Wie soll der Lernende (und auch der bereits Ausgelernte!) wissen, wann und wo Varianten existieren und zugelassen sind?

Spätestens an dieser Stelle dürfte klarwerden, daß sich der Lernaufwand in Zukunft ordentlich erhöhen statt verringern wird. Wo unterschiedliche Varianten existieren, erwartet der Leser, daß sie auch Verschiedenes bedeuten (Bréalsches Verteilungsgesetz, [2]). Und das tun sie ja auch. Ich bedaure den Teil der Lehrerschaft, der Eltern und vieler anderer, die sich aus ihrem Innersten heraus vorgenommen haben, den Heranwachsenden ein gutes Maß an Schreibkultur zu vermitteln. Denn die "Reform" ist offenbar alleinig darauf ausgerichtet, Fehler in der Schreibung zu minimieren, nicht jedoch darauf, die schriftsprachliche Einheit zu festigen und damit die schriftliche Kommunikation zu unterstützen. Die "Reform" beseitigt leserfreundliche Schreibungen und orientiert sich dabei an einem niedrigen Niveau. Man kann dieses Bestreben durchaus reaktionär nennen.

Im Lesebuch der ersten Klasse (Land Brandenburg, muß man ja wohl dazusagen!) wird die Konjunktion daß mit "ss" gelehrt, die Anrede du wird klein geschrieben, und es fehlen auch nicht weitere "vorsichtige" Neuregelungen wie "Liebe Mutti, es tut mir Leid" oder der sich im Alltagsleben inzwischen sehr häufig vermehrte Tolpatsch, wobei dieses breitfüßige Vögelchen seine alte Schreibweise beibehalten durfte. Für die restlichen 99,999...% des Inhalts wäre sicher kein Neudruck notwendig gewesen. Aber man will ja "sanft" beginnen ...

Der Vorsitzende der Rechtschreibkommission, Professor Augst, hat dazu formuliert: „Was aber die Schreibgemeinschaft nicht annimmt, wird die Schule wieder aus ihrem Lehrplan streichen." Der Katzenschwanz ist nur leider der, daß die Schule ja die heranwachsende Schreibgemeinschaft selbst ausbildet: Wenn ein Kind nie ein "ß" zu sehen bekommt, wird es auch als Erwachsener keins schreiben. Ich unterstelle, daß die Reformer um diesen Zusammenhang sehr genau wissen ...

Es wird schnell etwas weggeworfen

... in unserer heutigen Gesellschaft. Die Achtung vor Gegenständen geht in unserer schnellebigen Zeit erschreckend rasch verloren. Die Tendenz geht zum Billigen, eher Minderwertigen, schnell zu Verbrauchenden. Es ist heute ja so normal, daß es Radios, Fernseher und Videos gibt. Und es wird stets vorausgesetzt, daß es auch funktioniert. Ist es kaputt, wird es weggeworfen. Wer von den heute Heranwachsenden hat denn überhaupt eine Ahnung davon, wieviel Tausende von Wissenschaftler- und Ingenieursjahren in der Entwicklung eines kleinen, billigen Ohr-Radios enthalten sind?

kaenguruh

Und jetzt geht's uns auch noch ans Kulturgut! Wenn wir das "h" nicht brauchen, werfen wir es einfach weg und rechtfertigen uns auch noch: Der Thunfisch soll ohne "h" geschrieben werden, weil man das mit tun in Verbindung bringt. Wer ist man? Es wäre weit wichtiger und sinnvoller, die bestehenden Regeln einfacher und anschaulicher zu formulieren, so daß sie der Schüler als logisch und konsequent und nicht als wirr, lästig und kompliziert empfindet. So lassen sich beispielsweise viele Kommasetzungen aus dem einfachen Sprechen heraus ableiten, und die meisten sind plausibel und logisch ...

Ebenso wenig brauchen wir eine Rechtschreibreform unserer Schüler wegen, so wie es in der Dresdner Erklärung der 227. Kultusministerkonferenz im Oktober 1996 [19] festgehalten wurde. Schließlich haben die Lehrer in den Schulen keine Idioten vor sich sitzen, sondern zunächst einmal lernwillige, ganz einfach neugierige, formbare junge Menschen, und niemand hat das Recht, ein Primitiv-Urteil über diese Kinder abzugeben nach dem Motto, "die verstehen das sowieso nicht"!

Wir wären auf längere Sicht gut beraten, wenn wir unsere Kinder, die heute Lernenden, vom Fernseher („Tie-Wie") wegholen und ihnen zeigen würden, daß es da draußen eine Welt gibt.

Die Rechtschreibreform gehört auf eine gut geordnete Deponie, und dies so rasch wie möglich, damit nicht noch weiterer Schaden entsteht.

Die Rechtschreibreform setzt sich nicht durch!

„Nur kleine Geister fürchten kleine Bücher." Lion Feucht-wanger, aus: „Füchse im Weinberg".

Die Machtverhältnisse zwischen Befürwortern und Gegnern der Rechtschreibreform sind so enorm kraß, daß man sich wie beim berühmten Kampf gegen die Windmühlen fühlen mag und aufgeben möchte. Aber auch Windmühlen sind einem Zerfall ausgesetzt, vor allem dann, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Je mehr man sich mit der Reform auseinandersetzt, desto stärker wird das Erstaunen darüber, daß sich Vernunft einfach nicht durchzusetzen vermag, daß es dem unbedeutendsten Laien möglich ist, ein Reformwerk auseinanderzunehmen, welches Experten und Gelehrte in jahrelanger Arbeit zusammengebastelt haben. Ich frage mich oft, wie das sein kann. Hierzu Professor Peter Eisenberg: „Wenn man aber Sprache reformieren will, hätte man für viele spezielle Teilbereiche Spezialisten benötigt, z. B. für die Kommaregeln einen Syntaktiker, für die Silbentrennung einen Phonetiker, für die Getrennt- und Zusammenschreibung einen Morphologen. Solche Spezialisten waren (in der Kommission; Anmerkung d. A.) nicht vertreten."

Ich zitiere [27]. Es handelt sich dabei um eine Stellungnahme eines sachverständigen Experten zu einen Antrag der Volksinitiative Mecklenburg-Vorpommern [10]:

„Bei objektiver Bewertung und ohne vorgefassten Unwillen erweist es sich, dass die eingeführte Neuregelung durchaus einen deutlichen Schritt in Richtung auf Systematisierung und Vereinfachung der Orthographie darstellt, der vor allem für die Schule erhebliche Vorteile bringt. Die Neureglung ist in dieser Hinsicht nicht nur der bisherigen überlegen, sie ist auch deutlich besser als ihr Ruf, in den sie durch die starken und weitüberzogenen Vorwürfe ihrer Gegner geraten ist." ... „Wollen wir ... unseren Kindern die Ausbildungs- und Berufschancen in Deutschland durch eine mecklenburg-vorpommersche Rechtschreibung erschweren? Da man darauf eine akzeptable Antwort schuldig bleiben muss ..., kann dem Landtag nur dringend empfohlen werden, dem Antrag der Volksinitiative nicht zuzustimmen."

Eine traurige „dringende" Empfehlung! Für die These, daß „die Neureglung in dieser Hinsicht nicht nur der bisherigen (was?) überlegen" ist, wäre der wissenschaftlich fundierte Beleg noch zu erbringen. Meine „akzeptable Antwort" als Ingenieur ist dieser Aufsatz hier.

Lehrer stellen inzwischen fest, daß die Fehlerquote an den Schulen zu- statt abnimmt. Die Schüler sind mit den vielen Ausnahmen des künstlichen Regelwerks offenbar überfordert oder werden vom Regelwerk in ihrer Entscheidungsfindung alleingelassen. Es ist vorstellbar, daß zu dieser Thematik in naher Zukunft wissenschaftliche Arbeiten entstehen werden. Trotz der überaus starken Lobby der Reformer und der Suggerierung durch die Medien, daß die Reform „gelaufen" sei, ist abzusehen, daß sich die Rechtschreibreform langfristig nicht durchsetzen wird. Intelligente Schüler schreiben bereits heute wieder nach den „alten" Regeln. Viele Deutschlehrer sehen sich genötigt und übernehmen die neuen Regeln nur widerwillig. Fachlehrer lassen es freigestellt, wie ihre Schüler außerhalb der Deutschstunde schreiben.

Das Bundesministerium des Innern teilte dem Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V. im Schreiben vom 13. Oktober 1999 mit, daß „weder an Schulen noch in Verwaltungen... Sanktionen an die Anwendung der neuen und alten Rechtschreibung geknüpft" sind. Damit solle die Bereitschaft gefördert werden, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen. [28] Niemand kann rechtlich gezwungen werden, die neue Schreibung anzuwenden.

Zum Zeitpunkt der Drucklegung existieren deutschlandweit ca. 50 Vereine und Initiativen gegen die Reform, und weitere sind in Gründung. Trotz der generellen Umstellung der Nachrichtenagenturen auf Neuschrieb am 1. August 1999 erscheinen viele Zeitungen und nahezu die gesamte Belletristik nach wie vor in der klassischen Schreibweise. Die Tatsache, daß selbst die Nachrichtenagenturen die Neuschreibung nur halbherzig umsetzen und ihr eigenes „abgeschwächtes" Regelwerk kreiert haben, ist ein deutliches Indiz dafür, daß die neuen Regeln nicht brauchbar sind.

Dem derzeitigen Schreibchaos setzt Prof. Theodor Ickler sein fast 500-seitiges Nachschlagewerk Das Rechtschreibwörterbuch [28] entgegen.

Nur noch eines: Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Rechtschreibung vom 14. Juli 1998 ist dargestellt, daß der Neuschrieb an den Schulen nur dann zulässig sei, wenn mit Sicherheit zu erwarten ist, daß sie die allgemein übliche Rechtschreibung werden wird. Eine solche Erwartung ist spätestens seit August 2000 nicht mehr gegeben.

Die Auflösung

... zu "Phänomen und Neugierde" wird hier nicht verraten.

Quellennachweis

  • [1] Richard P. Feynman: Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman; Piper Verlag, 1996.
  • [2] Theodor Ickler: Die sogenannte Rechtschreibreform - Ein Schildbürgerstreich; Leibniz Verlag, 1997.
  • [3] So schreibe ich richtig; Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. GfdS, DG Verlag 960 220.
  • [4] Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung. 21. Auflage 1998, Dudenverlag Mannheim u.a.
  • [5] Dr. Wolfgang Näser: Wider die sprachliche Apartheid. Internet-Aufsatz.
  • [6] Prof. Walter Krämer: Wie konjugieren Sie download? Management & Karriere, Nr. 44, 5. November 1999, S. 49.
  • [7] Zitat aus einer E-Mail an den Autor.
  • [8] Detlef Lindenthal: Falsche 'Regeln', 24 S.; Bestellanschrift: 25856 Hattstedt (Eigenverlag).
  • [9] Arno Pielenz: Die Reform ist wohl getan, aber wohlgetan ist sie nicht; TAZ 5539, Berlin, 25.05.1998.
  • [10] Wir stoppen die Rechtschreibreform! Schrift zur Anhörung der Volksinitiative im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vom 06.10.1999.
  • [11] Stephanus Peil: Die Wörterliste. Selbstverlag, Westerburg 1998.
  • [12] Der Große Duden. 6. Auflage, Verlag Volk und Wissen, Berlin 1990.
  • [13] Prof. Theodor Ickler: Das Rechtschreibwörterbuch. Leibniz Verlag St. Goar 2000.
  • [14] Christian Stetter: Richtige Groß- und Kleinschreibung; Eigenverlag, Wiesbaden 1987.
  • [15] Sonntagszeit aus Kassel vom 11.01.1998.
  • [16] Rüdiger Safranski: Ein Meister aus Deutschland. Fischer Verlag Frankfurt/M., 1997.
  • [17] Rainer Maria Rilke: Fünfzig Gedichte. Reclam Verlag Stuttgart, 1997.
  • [18] Christoph Holub, Stuttgart, E-Mail an den Autor.
  • [19] Auszug aus der Dresdner Erklärung 227. Kultusministerkonferenz vom Oktober 1996.
  • [20] Theodor Ickler: Reglungsgewalt - Kommentare und Dokumente zur Rechtschreibreform; Manuskriptdruck, Erlangen Mai 1998.
  • [21] Bernd Jedamzik, private Homepage im Internet.
  • [22] Eulenspiegel, Zeitschrift für Humor und Satire. Ausgabe 9/1999, Eulenspiegel Verlag Berlin.
  • [23] IMW Bildungsinstitut der Mitteldeutschen Wirtschaft. Werbeprospekt.
  • [24] Corrigo Produktinformation, mit freundlicher Genehmigung der CLT GmbH.
  • [25] Friedrich Dieckmann: Über Regulierungswahn und Synergieprobleme; Freie Presse Chemnitz.
  • [26] Munske 1997 (siehe
  • [20], S. 40!)
  • [27] Prof. Dr. D. Nerius: Stellungnahme zum Antrag der Volksinitiative Mecklenburg-Vorpommern „Wir stoppen die Rechtschreibreform", vom 11.10.1999.
  • [28] Schreiben des Bundesministeriums des Innern an den Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege vom 13.10.1999.

Bildernachweis

  • Kind mit Büchern: unbekannt (Internet)
  • Katze mit §-Schwanz: unbekannt (Internet), bearbeitet durch den Autor
  • Harald Fischer: „Weißt du nicht, daß nach der Reform...". Mit freundlicher Genehmigung des Zeichners.
  • Uwe Krumbiegel: Rechtschreibung auch beim Sprechen. Mit freundlicher Genehmigung des Zeichners.
  • Jürgen Dieko Müller: „Wie schreibt man Schifffahrt?". Mit freundlicher Genehmigung des Zeichners.
  • Herr Ohm: unbekannt (Internet)
  • Das berühmte URI-Dreieck: Handzeichnung des Autors.
  • Der getrennte Zucker: Mit freundlicher Zustimmung des Herausgebers, Beate & Klaus Stetten.
  • Stenobeispiel: Deutsche Stenografie. Verlag Die Wirtschaft Berlin 1978, Seite 10, bearbeitet durch den Autor.
  • Brief der Redaktion „Badische Neueste Nachrichten" vom 10. August 1999.
  • In eigener Sache: Ein Muss...: „Zeitung zum Sonntag" vom 1. August 1999.
  • Neue Schreibweise: „Sonntag" vom 1. August 1999.
  • Klaus Stuttmann: Justitia. Mit freundlicher Genehmigung des Zeichners.
  • Känguru ohne „h" und Teufelchen: Mit freundlicher Zustimmung des Herausgebers, Beate & Klaus Stetten.