Leserbriefe und Aktionen (5)

306. Pressekonferenz der KMK am 4. Juni 2004 in Mainz

Jürgen Langhans, Karlsruhe (im Auftrag der Deutschen Sprachwelt)

INTERNES PROTOKOLL

Der Presse stellten sich:

KMK 1

Kernaussage:

Es gibt einhelligen Konsens der Kultusminister aller Bundesländer darüber, daß an der Rechtschreibreform nicht gerüttelt wird. Der vierte Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung wurde von der KMK bestätigt. Die neuen Regeln sollen wie geplant mit kleinen Änderungen am 1. August 2005 in kraft treten. Schhulbücher müßten nicht neu gedruckt werden.

Unser Kommentar:

Es bleibt also alles beim "Alten". Die Rechtschreibreform wird wie geplant mit kleineren Änderungen ab 1. August 2005 an den Schulen verbindlich. Der vierte Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung wurde zustimmend zur Kenntnis genommen, berechtigte Kritiken an diesem Bericht seitens der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wurden aufgenommen, so Frau Ahnen; es gäbe aber auch unüberwindbare Gegensätze. Schulbücher könnten trotz einiger ergänzenden Änderungen weiter benutzt werden.

KMK 2

Unmmittelbar nach dem Ende der Tagung stellten sich die Präsidentin der KMK, die Kultusministerin Frau Ahnen, Staatsministerin Frau Wolff und Staatsminister Prof. Dr. Zöllner der Presse. Die Frage der Deutschen Sprachwelt an das Podium, warum denn die Kultusminister angesichts der gravierenden Mängel der Reforminhalte nicht einfach den Weg zurück zur bewährten Schreibung freimachten, wurde von Frau Ahnen als subjektive Meinungsäußerung eines Einzelnen bewertet und inhaltlich praktisch nicht beantwortet. Wörtlich sagte sie:

"Aus meiner Sicht hat sich die Umsetzung an den Schulen viel besser dargestellt, als am Anfang zu vermuten war. Sprache ist ein wichtiges Kulturgut, und es ist auch wichtig, daß sich Menschen damit befassen und daß sie unterschiedliche Blickwinkel auf die Sprache legen ... Ich glaube nicht, daß Ihre pointierte Sichtweise so zutrifft, und ich werde mich hier nicht einseitig auf eine Seite schlagen ..."

Tatsache sei, daß der vierte Bericht durchaus einen Teil der Kritik aufgenommen hat, ergänzte Frau Wolff, und dies würde von den Kritikern auch bestätigt.

Damit dürfte klar sein, daß über die Kultusminister kein Weg zurück zur bewährten Schreibung führen wird. Die KMK schwört nun auf den zu gründenden Rat für deutsche Rechtschreibung, der sich irgendwann Ende des Jahres 2004 konstituieren und dann die Zwischenstaatliche Kommission ersetzen soll. Offen ist derzeit, wie sie sich das im einzelnen vorstellt. Aufgabe dieses Rates, der pluralistisch zusammengesetzt sein soll, sei die Sprachbeobachtung, die alle fünf Jahre in einen Bericht mündet, so Frau Ahnen. Auf die Frage einer Journalistin, ob denn die Kompetenz dieses Rates so weit reichen würde, daß diese selbst über eine eventuelle Rückkehr zur alten Schreibung entscheiden dürfe, lautete die Antwort sinngemäß und zum wiederholten Male, daß eine Rücknahme der Reform nicht Gegenstand der Diskussion sei. Wie in einzeln die Befugnisse des Rates sein werden, sei noch unklar.

Staatsminster Zöllner zeigte sich "ganz zurfrieden, weil wir klare Beschlüsse fassen", und man brauche das nicht alles noch mal zu erläutern. Fachliche Inhalte werden in diesem Gremien scheinbar überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden. Statt dessen forderte Frau Ahnen immer wieder eine Versachlichung der Diskussion.

KMK 3

Die an die Presse verteilten Regeländerungen zum vierten Bericht lassen sich auf zwei A4-Seiten zusammenfassen und machen deutlich, daß man viele Dinge wieder so wie bisher schreiben "darf", aber nicht muß; ein weiterer Ausbau der Schreibvielfalt ist nun das weiterführende Konzept, welches die Reform zum Erfolg machen soll; kein Wort zur Einheit unserer Schriftsprache als Ausdrucksmittel zwischen Schreibendem und Lesendem. An den eigentlich so enorm wichtigen und verkorksten Regeln zur Zeichensetzung gibt es keine Änderungen. Es liegt nun beinahe allein in der "Macht" der Verlage, die bewährte Schreibung zu rehabilitieren. Wo keiner mitmacht, sind Gesetze überflüssig.

Zum Schluß erlauben wir uns, zwei Sätze von Burkhard Müller-Ullrich vom Deutschlandfunk zu zitieren:

"Daß eine Horde illuminierter Bürokraten dem ganzen Volk die Sprache abgraben kann, ist schon ein Vorgang, der das Demokratievertrauen braver Bürger zu erschüttern vermag. Der Prägnanzverlust alles Geschriebenen, den diese Reform bewirkt, wird indes eine langfristige Verdummung nach sich ziehen, die gar nicht komisch ist."