Leserbriefe und Aktionen (6)

Falsch ist richtig

von Prof. Theodor Ickler

EINE BUCHBESPRECHUNG (erschienen bei amazon.de)

"Die Sprachgemeinschaft hat im Laufe der Jahrhunderte viele Hilfsmittel gefunden, die allesamt dazu dienen, dem Leser einen bestimmten Inhalt möglichst sinnfällig vor Augen zu führen ..." (Seite 19).

Falsch ist richtig

Mit FALSCH IST RICHTIG liegt ein kompaktes Buch vor, das auf überaus kompetente und souveräne Art und Weise darlegt, weshalb wir die Wörter und Wortkombinationen so schreiben müssen, wie wir das bisher auf der Basis unserer bewährten Rechtschreibung getan haben und größtenteils noch immer tun. Prof. Ickler zeigt, daß Quentchen nicht von Quant kommt und belemmert nichts mit dem Lamm zu tun hat. Er erklärt, weshalb Kommas an der richtigen Stelle so wichtig sind und warum Kinder heute neben "lässt" auch "lässtig" schreiben. Beinahe alle reformgeschädigten Schreibungen, auch die Zeichensetzungen und die Trennungen, unterzieht er einer historischen bzw. sprachwissenschaftlichen Analyse. Dies tut er mit überzeugender Klarheit, ohne dabei - wovor ich den Hut ziehe - den Pfad der Sachlichkeit zu verlassen.

Das Buch ist sauber gegliedert und beinhaltet alle wesentlichen Inhalte des Reformprozesses. Prof. Ickler läßt den Leser teilhaben an seinen oft irrwitzigen Auseinandersetzungen mit Reformern; er beleuchtet Hintergründe, nennt Namen und zeigt einen möglichen, überraschend einfachen Ausweg aus dem Rechtschreibchaos.

Am Ende des Buches steht der "unvorbereitete" Leser eher fassungslos als glücklich da: Was soll dieser ganze absurde Unfug? Der Leser ist geneigt, bestimmte Schilderungen einfach nicht zu glauben, weil sie so unfaßbar, unlogisch und bar jeden Verstandes erscheinen. Aber zu des Lesers Entsetzen deckt Prof. Ickler ein dunkles, folgenreiches und in seiner Umsetzung völlig überflüssiges Kapitel unserer Kulturgeschichte auf. Es geht ihm nicht nur um den "Tollpatsch", sondern er nimmt uns jede Illusion von einer Vereinfachung des Schreibens durch die sog. Rechtschreibreform; er entlarvt die Lügen und Intrigen der Reformerseite und legt die Zusammenhänge zwischen Reform, Politik und Verlagen offen; er beschreibt, unter welchen widerwärtigen Umständen und mit welchen fiesen Mitteln diese Reform "amtlich" und "schulreif" gemacht wurde. Auch läßt er nicht unerwähnt, daß sich heute (2006) viele Reformer und Politiker nicht mehr zu diesem mißlungenen Projekt bekennen und sich gern aus der Verantwortung stehlen würden.

Die Lektüre ist unerwartet spannend, hoch aktuell und für jeden Leserkreis leicht verständlich. Wer nach Seite 263 immer noch "ss" statt "ß" schreiben will und meint, er tue damit etwas Gescheites, sollte wenigstens noch mal drüber schlafen. Überzeugender als in FALSCH IST RICHTIG kann man die Dinge de facto nicht erklären.

Jürgen Langhans, April 2006